Samstag, 27. Mai 2017
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Neuseeland: Demi-Pair - Sprachschule - Gastfamilie

 

Text von Julia Suttrup, erschienen in:
(Nix für) Stubenhocker. Die Zeitung für Auslandsaufenthalte, Nr. 7 / 2017, S. 38-40

 

Lernen und Arbeiten im Land der Kiwis

Als Demi-Pair in Neuseeland

 

Natur

 

Vor einiger Zeit ging es los. Wohin, fragt ihr euch jetzt bestimmt. Nun ja, wo möchte man nach dem Abitur hin? Für manche lautet die Antwort: In eine andere Stadt zum Studieren, aber für andere, mich inbegriffen, sollte es erst einmal in die große weite Welt gehen. Und warum dann nicht gleich einmal um die ganze Welt? Neben dem großen roten Kontinent liegt da ja auch noch das kleine, beschauliche Neuseeland, in dem es deutlich mehr Schafe als Einwohner gibt. Auch meine Cousine, die schon einmal in Neuseeland war, berichtete mir immer noch begeistert vom Land der Kiwis. Durch eine Berufsmesse auf den Geschmack gekommen, sammelte ich immer mehr Informationen über Neuseeland und erfuhr so auch, dass meine Cousine mit den Kiwis nicht die bekannte Frucht, sondern die Einwohner Neuseelands meinte. Je mehr ich über das Land am anderen Ende der Welt las und erfuhr, desto mehr wollte ich es mit eigenen Augen sehen. Die für mich erst abwegig erscheinende Idee, ins Ausland zu gehen, nahm so immer mehr Gestalt an und nach meiner Anmeldung beim Demi-Pair-Programm ließ die erste erfreuliche Nachricht zum Glück auch nicht lange auf sich warten: Kurz nach meinen Abiturklausuren meldete sich eine mögliche Gastfamilie. Wir skypten zwei Mal und schrieben uns E-Mails. Meine Gastmutter gab mir außerdem die Kontaktdaten anderer vorheriger Au-Pairs, mit denen ich mich auch nochmal ausgiebig über ihren Aufenthalt und die Erfahrungen im Ausland austauschen konnte. Da die Familie genau meinen Vorstellungen entsprach, sagte ich meiner Agentur sofort Bescheid und war umso erleichterter, als ich bei einem Vorbereitungswochenende meiner Agentur erfuhr, dass auch sie mir zugesagt hatte.

 

"Nach einem tränenreichen Abschied ging es mit dem Flugzeug ans andere Ende der Welt."

 

Danach ging es in die heiße Planungsphase: Ich beschäftigte mich in den kommenden Wochen fast nur noch mit dem Thema Neuseeland, buchte meine Flüge und schrieb Packlisten. Als dann schließlich mein Abiball und mein Abschiedsessen mit meinen Freunden und meiner Familie stattfanden, realisierte ich erstmalig, dass ich bald am anderen Ende der Welt, weit weg von Familie, Freunden und der bekannten Umgebung, sein würde. Die Reise zu planen war eine Sache, aber seinen Koffer zu schließen und zum Flughafen zu fahren, eine ganz andere. Nach einem tränenreichen Abschied ging es mit dem Flugzeug ans andere Ende der Welt. Rund 18.000 km später landete ich wohlbehalten in Auckland und erlebte den Moment, den ich mir so oft vorgestellt hatte. Obwohl ich meine Gastfamilie bis dahin nur auf dem Bildschirm gesehen hatte, verflog die anfängliche Scheu sofort und wir begrüßten uns innig. Sich erst einmal an das viele Englisch, die neue Umgebung und die Zeitverschiebung zu gewöhnen, kostete den Rest meiner Energie und ich fiel nach einem typischen "Fish-and-Chips"-Abendessen restlos erschöpft in mein weiches Bett.

 

Die nächsten Tage hieß es erst einmal Ankommen in Auckland, meiner neuen Heimat für die nächsten sechs Monate. Ich erkundete die Stadt mit meiner Gastfamilie und lernte den Rest der Familie bei einem Geburtstagsessen kennen. Meine Gastmutter nahm mich außerdem mit zu dem Ferienprogramm ihrer Arbeit, bei dem ich meine Gastkinder langsam näher kennenlernte. In meiner Sprachschule dagegen organisierten wir alle für den Alltag in Neuseeland wichtigen Dinge, wie beispielsweise das Eröffnen eines Kontos und das Kaufen einer SIM-Card. So gewöhnte ich mich relativ schnell ein und kam auch bald in den wöchentlichen Rhythmus hinein: Morgens machte ich die beiden Mädchen für die Schule fertig. Neben dem Zubereiten des Frühstücks bedeutete das auch, die Kinder zur nahegelegenen Schule zu begleiten. Danach fuhr ich mit dem Auto, das mir meine Gastfamilie glücklicherweise zur Verfügung stellte, zu meiner Sprachschule. Gegen Mittag hatte ich ein wenig Freizeit, die ich meist nutzte, um mit einem anderen deutschen Demi-Pair in ein Fitnessstudio zu gehen, bevor ich die Kinder von der Schule abholte und mit ihnen den Nachmittag verbrachte. Oft hatten wir nach den Hausaufgaben noch viel Zeit zu malen, mit dem Hund der Familie zu spielen, im Sommer in den Pool zu gehen oder zum Strand zu laufen. Außerdem brachte ich die beiden zu ihren wöchentlichen Hobbys, wie Hockey und "Cheerleading", kochte mit meiner Gastmutter das Abendessen und hielt das Haus ordentlich und sauber.

 

Hobbiton

 

Eine große Umstellung war es natürlich für mich als Fahranfängerin auch, mich auf den Linksverkehr einzustellen. Nach einer Einführungsstunde von meiner Gastmutter erwies es sich letztendlich aber als einfacher als gedacht und gehörte schon bald zur Routine meines Alltags. Am Wochenende entwickelte ich recht schnell Pläne, um Auckland und die Umgebung zu sehen. Mal mit Freunden, mal mit meiner Gastfamilie, mal nur einen Tag und mal das ganze Wochenende, von Skifahren bis Trampolinspringen war alles dabei. Ich sah nicht nur die atemberaubende Natur, sondern auch die Imagine Dragons auf einem Konzert und die Rugbyspieler im Stadion Aucklands. Schon vor meiner eigentlichen Reisezeit konnte ich einen großen Teil der Nordinsel, wie beispielsweise die Geysire, die Inseln im Hauraki Golf vor Aucklands Ostküste und natürlich, nicht zu vergessen, einen Teil der Kulissen aus den Trilogien "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit" erkunden. Meine Gastfamilie nahm mich zudem mit in ihre vorherige Heimat Karikari und auf eine Halbinsel, auf der wir mit viel Glück tatsächlich einen freilebenden Kiwi, den nachtaktiven Nationalvogel der Neuseeländer, sehen konnten. Einzigartige Erfahrungen machte ich auch mit Freunden, die ich in Neuseeland kennengelernt habe. In meiner Sprachschule lernte ich nicht nur Deutsche, sondern auch Menschen einiger anderer Nationalitäten kennen, die oft dieselbe Reiselust wie mich packte. So kamen viele spontane Trips, beispielsweise auf die Halbinsel Whangaparaoa und zu dem schwarzen Strand Karekare, aber auch größere Unternehmungen, wie eine Reise bis zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands, zustande.

 

Da ich unglaublich viel erlebte und meine Gastfamilie immer versuchte, mich in ihr Leben zu integrieren, hatte ich eigentlich gar keine Zeit, Heimweh aufkommen zu lassen. Dadurch war es natürlich auch umso schwerer, als dann kurz nach Weihnachten der Abschied vor der Tür stand. Ich hatte mich nämlich entschieden, nach einer sechswöchigen Reise von Auckland über Wellington und die Südinsel Neuseelands sowie an der Ostküste Australiens entlang von Melbourne zurückzufliegen. Diese Entscheidung stellte mich natürlich nicht nur vor die Tatsache, mein gesamtes Gepäck sofort mitnehmen zu müssen, sondern auch davor, meine Gastfamilie, Menschen, die ich über die sechs Monate sehr lieb gewonnen hatte, erst einmal für unbestimmte Zeit nicht wiederzusehen. Nach einem tollen Weihnachtsfest und einem traurigen Abschiedsessen schloss ich wenige Tage später meine Gastfamilie zum letzten Mal in die Arme und nahm einen Bus Richtung Napier und Wellington. In Wellington traf ich dann ein französisches Au-Pair, meine Reisebegleitung, die ich in Auckland kennengelernt und mit der ich die Reise geplant hatte. Wir verbrachten in Wellington ein tolles Silvester und feierten nicht nur in ein neues Jahr hinein, sondern blickten auch auf ein erlebnisreiches Jahr zurück.

 

"Dort wagte ich spontan einen Bungy-Jump über der Skyline Queenstowns."

 

Bungee

 

Wenige Tage später ging es dann auch schon auf die Südinsel. Von unserem ersten Halt am Abel Tasman National Park ging es zu den "Glaciers" an der West Coast. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, zwischen den steilen Klippen des Fjordes Milford Sound hindurchzufahren. Am südlichsten Punkt der Südinsel vorbei ging es dann nach Dunedin weiter. Dort liefen wir nicht nur die steilste Straße der Welt hoch, sondern erlebten auch wieder einmal die unglaubliche Gastfreundschaft der Neuseeländer: Eine Dame, die wir auf dem Rückweg von einer Aussichtsplattform trafen, lieh uns spontan unentgeltlich ihr Auto, als sie erfuhr, dass wir unglaublich gerne eine Tour über die Halbinsel und zu den Moeraki Boulders machen wollten. Auf unserem Weg zurück Richtung Norden machten wir einen zweiten, etwas längeren Abstecher nach Queenstown. Dort wagte ich spontan einen Bungy-Jump über der Skyline Queenstowns, blickte vom Gipfel des Ben Lomond über die Remarkables und erlebte den Flair der ehemaligen Goldgräberstadt Arrowtown. Am Mount Cook National Park vorbei, kamen meine Reisebegleitung und ich schließlich bei der letzten gemeinsamen Station an: Kaikoura. Das relativ kleine Städtchen wurde durch Wale und Delfine sowie durch zahlreiche Robbenkolonien bekannt.

 

"Ich streichelte zum ersten Mal in meinem Leben Koalas und fütterte Kängurus."

 

Am nächsten Tag hieß es, wie schon so oft in den sieben Monaten, Abschied nehmen. Mein "Travelmate" und ich waren in den vier Wochen richtig zusammengewachsen und der Abschied fiel uns schwer. Für mich ging es alleine zurück in die Stadt Christchurch, von der ich meinen Flug Richtung Australien gebucht hatte. Vom Flugzeug aus verabschiedete ich mich mit einem letzten Blick auf den Gipfel des Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands, endgültig von dem Land der Kiwis. Auf dem roten Kontinent angekommen, sonnte ich mich zwei Wochen lang in der australischen Sonne und reiste die Ostküste Australiens entlang. Ich streichelte zum ersten Mal in meinem Leben Koalas und fütterte Kängurus. Meine Reise ging von Brisbane über Surfers Paradise, Byron Bay und Coffs Harbour bis nach Sydney. In Sydney angekommen, lief ich über die berühmte Harbour Bridge, fuhr zum Bondi Beach und schwamm im Sea Life mit echten Haien. Über Canberra erreichte ich dann meine letzte Station: Melbourne. Auf meiner von dort geplanten Tour über die bekannte Great Ocean Road hielten wir an schneeweißen Stränden und sahen die Twelve Apostels bei Sonnenuntergang. Zudem nahm ich in Melbourne an einer Free Walking Tour teil, die es übrigens auch in anderen Großstädten Australiens und Neuseelands gibt und die ein echter Geheimtipp sind, um Geld zu sparen. Als ich mein Mittagessen am Yarra River genoss und abends frei lebende Pinguine am St. Kilda Beach beobachten konnte, stellte ich fest, dass Melbourne auf jeden Fall zu den schönsten Städten meiner Reise gehörte.

 

Schließlich kamen aber auch hier die letzten Stunden, in denen ich am Flughafen in Melbourne saß und alles noch einmal Revue passieren ließ: Sieben Monate Neuseeland und Australien, ganz viele neue Bekanntschaften und natürlich unglaublich viele Erfahrungen, um die ich nun reicher war. Obwohl es "nur" sieben Monate waren, freute ich mich auch auf zu Hause. Als ich nach einem langen Rückflug und einer Stadtrundfahrt durch Singapur in Frankfurt ankam, konnte ich es kaum erwarten, meine Eltern endlich in die Arme zu schließen. Nach einem emotionalen Wiedersehen am Frankfurter Flughafen erholte ich mich die nächsten Tage zunächst einmal von der Zeitverschiebung. Eine Woche später sah ich auch meine Freunde auf einer für mich veranstalteten Überraschungsparty wieder und war langsam wieder richtig zu Hause angekommen. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, würde ich um nichts auf der Welt eintauschen und ich würde jedem empfehlen, sich zu trauen und die Chance zu ergreifen, ins Ausland zu gehen.

 

Julia Suttrup, 19, studiert Rechtswissenschaften an der Universität Münster und kann sich gut vorstellen, ein Auslandssemester oder -praktikum in ihr Studium zu integrieren, um noch weitere Teile der Welt zu erkunden. Mehr über ihre Zeit in Neuseeland findet ihr auch auf ihrem Blog juliainnz.jimdo.com.

 

 

 

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