Donnerstag, 27. Juli 2017
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USA: High-School-Programm - Oklahoma

 

Text von Sabrina Ritter, erschienen in:
(Nix für) Stubenhocker. Die Zeitung für Auslandsaufenthalte, Nr. 6 / 2016, S. 17-18

 

Unverhofft in Oklahoma

Mein amerikanisches Leben auf dem Land

 

Ich hatte große Hoffnungen, eine Gastfamilie in Kalifornien zu bekommen. Schließlich hatte ich mich nicht ohne Grund für ein High-School-Programm in dem Bundesstaat entschieden. Bei einer 90-prozentigen Garantie für eine Gastfamilie in Kalifornien rechnete ich schon fest damit, ein halbes Jahr an der Westküste zu leben. Doch es kam anders. Nach langem Warten erhielt ich endlich Post von meiner Organisation. Voller Spannung öffnete ich den Brief und las, dass meine Gastfamilie in Oklahoma lebte. Die Enttäuschung war zunächst groß, in einem mir unbekannten Bundesstaat in der Mitte der USA platziert zu werden. Doch schon in den folgenden Tagen wuchs meine Vorfreude und ich empfand es als etwas Besonderes, bald in Oklahoma leben zu dürfen. Anfang Januar war es endlich so weit. Bereits vor Weihnachten nahm ich Abschied von meinen Freunden. Es gab eine Überraschungsparty für mich, über die ich mich sehr freute. Der eigentliche Abschied nach der Party erschien mir jedoch nicht sehr real, da ich ja noch einige Tage in Deutschland bleiben würde. Der Abschied von meiner Familie am Flughafen fiel mir dagegen schwerer, aber ehrlich gesagt war die Vorfreude auf mein neues Leben am anderen Ende der Welt noch größer als die Trauer. Ich flog mit Lufthansa von Frankfurt nach Houston in Texas. Dort musste ich umsteigen und noch einmal zwei Stunden nach Oklahoma City fliegen.


„Endlich in Oklahoma City angekommen, empfing mich meine Gastfamilie mit offenen Armen.“


Die Einreise in die USA war aufwendig, was mir schon im Vorhinein etwas Angst gemacht hatte, da ich alleine flog. Ich hatte nicht viel Zeit, um in Houston zum nächsten Gate zu gehen, und so passierte es, dass ich meinen Anschlussflug verpasste. Der Schock war groß. Ich telefonierte zuerst mit meinen Eltern in Deutschland. Da meine Gasteltern mich vom Flughafen in Oklahoma City abholen sollten, rief ich auch meine Gastmutter an. Bei diesem Telefonat stellte ich bereits fest, wie unglaublich nett sie war. Sie beruhigte mich und sagte mir, dass es überhaupt kein Problem sei und dass ich mir keine Sorgen machen solle. Nach endlosem Suchen fand ich die richtige Auskunft und bekam mein neues Ticket. Zum Glück startete der nächste Flug nur zwei Stunden später. Endlich in Oklahoma City angekommen, empfing mich meine Gastfamilie mit offenen Armen. Ich hatte eine Gastschwester, die nur acht Tage jünger war als ich. Meine Gastfamilie lebte in einem sehr kleinen Dorf, ungefähr eine Stunde von Oklahoma City entfernt, mit zwei Eseln, zwei Ziegen, vier Hunden und noch ein paar Hühnern. Für mich war dies keine große Umstellung, da ich in Deutschland auch in einem kleinen Dorf lebe und es in meiner Umgebung viele Tiere gibt.

 

High School Programm USA


Meine ersten Tage waren sehr aufregend. Schon am ersten Wochenende lernte ich fast die ganze Familie kennen. Alle waren mir auf Anhieb sehr sympathisch. Mit der Sprache hatte ich anfangs noch einige Schwierigkeiten, aber das besserte sich schnell. Ich war ein „Freshman“, ich ging also in die 1. Klasse der kleinen High School im Dorf. Die Schule lässt sich gar nicht mit einer deutschen vergleichen. Ich durfte mir meinen Stundenplan selbst zusammenstellen und wählte sieben Fächer aus. In zweien davon hatten wir jedoch kaum etwas zu tun. Wie man es aus den Filmen kennt, gab es rechts und links in den Gängen Schließfächer. Die wurden in jeder Pause genutzt, um die Bücher für die nächste Stunde zu holen. In Amerika gibt es nämlich keine festen Klassenzimmer, stattdessen haben die Lehrer eigene Räume und die Schüler gehen zu ihnen. Den Unterrichtsstoff kannte ich größtenteils schon, daher fiel mir die Schule sehr leicht. Ich musste kaum lernen und Hausaufgaben gab es selten. Der Unterricht selbst war ebenfalls anders. Die Regel, sich zu melden, kannte man gar nicht, stattdessen wurde laut und wild durcheinandergeredet. Arbeiten schrieben wir nur im Multiple-Choice-System, das heißt, es wurden drei oder vier mögliche Antworten vorgegeben. Selbst im Mathematikunterricht zählte nur das Ergebnis, nicht der Lösungsweg.


Sport spielte eine große Rolle. An meiner Schule gab es viele verschiedene Angebote, doch eine der wichtigsten Sportarten war Basketball. Ich war bei fast allen Spielen dabei und schaute sie zusammen mit meinen Freunden an. Einige von ihnen spielten natürlich auch mit. In der sogenannten „student section“ konnten Schüler, die nicht mitspielten, das Team anfeuern. Die Stimmung war bei jedem einzelnen Spiel unbeschreiblich und der Zusammenhalt unter den Schülern war sehr groß. Ich selbst war im „Track and Field“-Team dabei. Fast jedes Wochenende und auch unter der Woche fanden Leichtathletik-Wettkämpfe statt. Ich hatte sehr viel Spaß dabei und lernte dadurch neue Freunde kennen. Da ich mit meiner Gastschwester in eine Klasse ging, hatten wir zu Beginn auch den gleichen Freundeskreis, da ich automatisch immer bei ihr und ihren Freunden war. Nach wenigen Wochen hatte ich aber auch eigene Freunde gefunden,  mit denen sie nicht viel zu tun hatte. Alle waren wirklich nett zu mir und ich hatte das Gefühl, dass ihnen unsere Freundschaft sehr wichtig war. Von dem Klischee der amerikanischen Oberflächlichkeit merkte ich nur selten etwas. Mit der Zeit verstand ich mich mit meiner Gastschwester immer besser und wir machten fast alles zusammen. An manchen Abenden sahen wir zusammen fern, und obwohl mein Zimmer gleich nebenan war, übernachtete ich bei ihr. Sie wurde wie eine richtige Schwester für mich.


„An den Wochenenden war ich meistens bei Basketballspielen.“


In meiner Freizeit unternahm ich sehr viel mit Freunden. Unter der Woche kamen Freunde oft nach der Schule zu uns nach Hause. Eher seltener war ich bei ihnen zu Besuch, aber das machte mir nichts aus. Häufig war ich auch mit meiner Gastschwester draußen bei den Tieren. Als die „Track and Field“-Saison begann, ging ich jeden Tag nach der Schule für eine Stunde zum Training. An den Wochenenden war ich meistens bei Basketballspielen, hatte eigene Wettkämpfe oder fuhr mit meiner Gastfamilie nach Oklahoma City. Dort wohnte die Tante meiner Gastschwester mit ihrem Mann und ihren Kindern. Mein Leben mit der Gastfamilie war sehr anders als in Deutschland. Es gefiel mir jedoch unglaublich gut. Meine Gasteltern waren bereits in Rente, da sie beim Militär gewesen waren und ihren Dienst nur eine gewisse Zeit ausüben durften. Mir fiel auf, dass sie sehr oft fernsahen. Generell hatte ich das Gefühl, dass bei den Amerikanern den ganzen Tag der Fernseher läuft, zumindest war das bei meinen Freunden der Fall. Zu den Mahlzeiten waren wir meistens zusammen, doch es kam auch vor, dass jeder in seinem Zimmer alleine aß. Da ich das von zu Hause nicht gewöhnt war, ging ich häufiger zu meiner Gastschwester ins Zimmer und aß mit ihr. Oftmals fuhren wir auch in den nächsten Ort, um dort zu essen, oder bestellten etwas.


Erstaunlicherweise hatte ich sehr selten Heimweh – man kann eigentlich gar nicht von richtigem Heimweh sprechen. Natürlich waren die ersten Tage die schwierigsten. Die Zeitumstellung machte mir sehr zu schaffen und auch die neue Umgebung war erst einmal ungewohnt. Aber schon an meinem dritten Tag war von den gemischten Gefühlen nichts mehr zu spüren. Ich fühlte mich bei meiner Gastfamilie sehr wohl und mir ging es bestens. Ich freute mich auf alles, was ich unternahm, und genoss all die tollen Erfahrungen. Es gab allerdings auch langweilige Wochenenden, wenn wir keine Pläne hatten. Durch die Zeitumstellung waren meine Familie und Freunde in Deutschland schon im Bett, während bei mir erst der halbe Tag vorbei war. Ich redete mit meiner Gastmutter darüber, was mir sehr half. Sie konnte mich gut verstehen und versprach mir, dass wir so viel wie möglich unternehmen würden. Nach diesem Gespräch ging es mir deutlich besser und ich hatte in der restlichen Zeit kein Heimweh mehr. Eines meiner schönsten Erlebnisse während meines Schüleraustauschs war der Urlaub in Florida. Ich war mit meiner Gastschwester während der „Spring Break“-Ferien bei ihrer Tante, die in der Nähe von Miami wohnte. Es war wunderschön in Florida, und ich fühlte mich wie im Film. Alles war grün und überall sah ich Palmen. Ich verbrachte eine wunderschöne Zeit mit meiner Gastschwester.


Besonders in Erinnerung blieb mir auch meine „Prom“, der Abschlussball am Ende des Schuljahres. Ich ging mit einem „Senior“ aus dem Abschlussjahrgang dorthin, und es war ein sehr toller Abend. Meine Gastschwester wurde auch zur „Prom“ eingeladen, sodass wir alle Vorbereitungen gemeinsam erledigen konnten. Wir kauften unsere Kleider und Schuhe zusammen und suchten uns schöne Frisuren aus. Für die amerikanischen Schüler war der Abschlussball eines der wichtigsten Ereignisse im Schuljahr. Obwohl die eigentliche Veranstaltung nur wenige Stunden dauerte, fuhren wir vorher in die Stadt, um eine Frisur und professionelles Make-up zu bekommen, was mehr als eine Stunde Zeit brauchte. Nach dem Ball gab es an meiner Schule eine „After Prom“: Um 2 Uhr nachts fuhren wir nach Oklahoma City und gingen in eine Spielhalle mit verschiedenen Attraktionen. Um 5 Uhr morgens frühstückten wir gemeinsam und fuhren danach wieder zurück nach Hause. Dann war auch schon bald der Abschied von meiner Gastfamilie und meinen Freunden gekommen, der mir sehr schwer fiel. Ich hatte so viele tolle neue Freunde gefunden, und auch meine Gastschwester war mir sehr ans Herz gewachsen. Mir war klar geworden, dass nicht der Ort, sondern die Gastfamilie und das Umfeld entscheidend waren. Auch wenn ich nicht in Kalifornien gewohnt hatte, verbrachte ich eine unbeschreiblich tolle Zeit in den USA. Ich sammelte in den fünf Monaten unzählige neue Eindrücke und bin mir sicher, dass ich diese nie mehr vergessen werde.

 

Sabrina Ritter, 16, besucht derzeit das Gymnasium. Sie hat noch keinen konkreten Berufswunsch, möchte aber ihre Sprachkenntnisse und Erfahrungen im Ausland nutzen. Die nächste Reise zu ihrer Gastfamilie in Oklahoma ist bereits in Planung.

 

 

 

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