Weltreise: Down Under, Südostasien, Dubai

Zu zweit Freiheit und Abenteuer genießen

weltweiser · Backpackerin posiert vor Zaun auf Wiese

Geschrieben von: Saskia Knauft

Land: Weltreise

Aufenthaltsdauer: 9 Monate

Programm: Reisen & Abenteuer

Erschienen in: (Nix für) Stubenhocker.

Die Zeitung für Auslandsaufenthalte,
Nr. 6 / 2016, S. 68-69

Eine Weltreise, das klingt so groß – doch wie hat das Ganze eigentlich angefangen? Beim Chatten habe ich spaßeshalber Janek, einen Freund, gefragt, ob er nach dem Abitur, das zu dem Zeitpunkt noch zwei Jahre entfernt war, mit mir nach Amerika gehen will. Am nächsten Tag in der Pause stelle ich fest, dass er mich ernster nimmt, als ich erwartet habe.

Ganz begeistert kommt er auf mich zugestürmt, und steckt mich schnell mit seiner Euphorie an. Wir lesen unzählige Reiseberichte im Internet und stellen fest, dass in Amerika unter 21-jährige Reisende in mancher Hinsicht erschwerte Bedingungen haben. Als wir aber beim Stöbern die alten Dias von Janeks Eltern finden und der  Projektor atemberaubende Bilder von Neuseeland an die Wand wirft, steht der Plan fest: Unsere Reise soll uns ins ferne Down Under führen. Wir beginnen also, das Internet nach preisgünstigen Flugtickets zu durchsuchen, und finden ein tolles Around-the-World-Angebot. Dieses Ticket ist ein Jahr lang für einen Flug um die Welt mit beliebig vielen Zwischenlandungen gültig. Diese Möglichkeit nutzen wir und buchen unsere Reise nach Neuseeland mit Zwischenstopps in Sydney, Bangkok und Dubai. Um eine Vorstellung von der bevorstehenden Reise zu bekommen, besuchen wir die Cousine von Janek, die erst kürzlich in Neuseeland gewesen ist und uns ein paar wertvolle Tipps gibt. Sie erzählt uns unter anderem vom Couchsurfen – kostenlos Übernachten bei Einheimischen –, dem wohl wertvollsten Ratschlag dieses Besuchs.

Berge und Wiesen
Auf dem Squad
In den grünen Dünen über dem Strand

Während wir nützliche Dinge wie einen Rucksack, Schlafsack, Wanderschuhe und Campinggeschirr kaufen, den Reisepass und internationalen Führerschein beantragen, unser Fernweh bis ins Unermessliche steigern und nebenbei unser Abitur machen, vergehen zwei Jahre. Die letzten zwei Wochen sind besonders schwer. Die Abendessen mit der Familie sind von einer leichten Schwermut belegt und Treffen mit Freunden nehmen melancholische Züge an. Alles scheint intensiver zu werden, und doch möchte ich mich von der Schwere hier befreien und am liebsten schon am nächsten Tag fliegen. Ich feiere mehrere kleinere Abschiedsabende und freue mich bei jedem allerletzten „Tschüss“ auf das „Hallo“ im nächsten Jahr. Besonders tränenreich ist der Abschied von meinem Freund, den ich am Tag des Abflugs unbedingt noch einmal besuchen muss. Damals hätten wir beide wohl nicht gedacht, dass unsere Beziehung diese Probe nicht übersteht. Dann geht es los zum Flughafen. Ich fliege zum ersten Mal, und zum Glück bin ich bei all diesen Kontrollen und verwirrenden Wegen am großen Frankfurter Flughafen nicht alleine. Wir sitzen schließlich im Flugzeug, beschleunigen auf dem Rollfeld, und da ist er endlich, der lang erwartete Moment: Wir verlassen deutschen Boden! Unsere Reise beginnt! Nach fast 48 Stunden Flug inklusive Zwischenstopps landen wir in Sydney und schaffen es total übermüdet ins gebuchte Hostel.

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Eine Woche verbringen wir in der Großstadt und sind sehr beeindruckt von unseren Erlebnissen beim Sightseeing. Wir sehen das Opernhaus, die Harbour Brigde, die botanischen Gärten und Bondi Beach. Für vier Tage machen wir einen Ausflug ins etwa 80km entfernte Point Clare zu David, unserem ersten Couchsurfer-Gastgeber. David hat mich in dem Internetportal angeschrieben, ob wir ihn nicht auf unserem Weg durch die Welt besuchen möchten. Er lernt gerade Deutsch in der Schule und würde die Chance, uns kennenzulernen, gerne nutzen. Die erste Couchsurfer-Erfahrung ist gleich ein voller Erfolg. Wir freunden uns schnell mit David an, der uns seinen kleinen Ort und den Lebensstil in Australien zeigt. Außerdem unternehmen wir eine Wanderung ins Outback und treffen mit höchstem Respekt auf das erste giftige Tier unseres Lebens – die „Brown Snake“. Dann geht es auch schon weiter nach Neuseeland. Wir landen in Auckland, der größten Stadt des Landes, und lernen gleich den nächsten großartigen Couchsurfer kennen. Jon ist geradezu süchtig nach Couchsurfen. Er lädt jeden Tag mindestens sechs Gäste aus allen Teilen der Welt ein und stellt uns somit viele tolle Menschen vor. Wir lernen bei ihm unter anderem eine Französin und einen Kanadier kennen, mit denen wir den Großteil unseres Weges durch Neuseeland zusammen zurücklegen werden. Außerdem haben wir durch ihn zwei Freunde in Mexiko und Argentinien gefunden, die wir hoffentlich auch einmal besuchen können.

„Ein halbes Jahr lang im Auto leben, auf Waschmaschine, warme Dusche, Strom, Internet und jeglichen Luxus verzichten“

In Auckland kaufen wir uns einen Van, der mit einem Bambusbett, Campingkocher und vielen weiteren nützlichen Dingen ausgestattet ist. Unser treues Auto wird auf den Namen Carlo getauft. Sich an den Linksverkehr zu gewöhnen, dauert gar nicht so lange wie erwartet, und macht sogar richtig Spaß. Da wir uns eine Wildnis-Erlebnis-Tour durch Neuseeland vorgenommen haben, bedeutet dies Folgendes für uns: ein halbes Jahr lang im Auto leben, auf Waschmaschine, warme Dusche, Strom, Internet und jeglichen Luxus verzichten. Gewaschen und gebadet wird also in Flüssen oder Seen. Wir gehen um 21 Uhr schlafen und stehen um 7 Uhr auf, wenn uns die ersten Strahlen wecken. Gekocht, gegessen und gespült wird im Freien bei jedem Wind und Wetter. Da wir außerdem die unberührte Schönheit des Landes entdecken wollen, verzichten wir auf Campingplätze, Hostels oder ähnliches. Wir stürzen uns kopfüber ins „Freedom Camping“ und nächtigen auf diese Weise an den unglaublichsten Plätzen: mit Lagerfeuer am einsamsten Strand, an dem ich jemals war, mit Wasserfallgeplätscher an den Huka Falls, und am nordwestlichsten Punkt Neuseelands, dem Cape Reinga, wo sich einer Sage nach die Seelen der Verstorbenen treffen. Wir schlafen unter einem Sternenhimmel, der den Platz taghell erstrahlen lässt und sich bis zum Horizont erstreckt. Natürlich kostet so eine Reise auch einiges, deshalb suchen wir uns einen Job, der in Neuseeland nicht schwer zu finden ist. Ich verdiene mir ein wenig Geld als Kellnerin, Janek arbeitet als Apfelpflücker. Außerdem helfen wir gegen Kost und Logis auf einer Farm.

„Morgens aufstehen, die Landkarte aufklappen und das Ziel für den heutigen Tag heraussuchen“

Natürlich ist es schwierig und anstrengend, 24 Stunden am Tag von ein und derselben Person umgeben zu sein. Wir stellen fest, dass dieses Experiment wohl härter als jede Ehe ist. Aber auch wenn es am Anfang immer wieder kleine Reibereien gibt, gewöhnen wir uns aneinander und lernen den anderen zu schätzen. Morgens aufstehen, die Landkarte aufklappen und das Ziel für den heutigen Tag heraussuchen – so pendelt sich bei uns der Alltag ein. Ohne Plan zu reisen hat den Vorteil, dass man jeden Tag aufs Neue von dem überrascht wird, was man entdeckt. Einsam haben wir uns am anderen Ende der Welt eigentlich kaum gefühlt, denn Kontakte kann man unter Reisenden schnell knüpfen. Nicht nur durch das Couchsurfen haben wir eine Menge toller Menschen kennengelernt. Auch zwei junge Tramper, die wir mitgenommen und immer wieder irgendwo in Neuseeland getroffen haben, sind schnell Freunde geworden. Außerdem kommt es beim Campen des Öfteren vor, dass sich Gruppen mit einer Gitarre versammeln. Heimweh hat sich bei uns in Grenzen gehalten, vor allem auch, weil wir unsere neu gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit so sehr genossen haben. Dazu ist die Naturschönheit des Landes, die wir bei unzähligen Wanderungen bestaunen, einfach beeindruckend. Auch die Kultur der Maoris, der Ureinwohner Neuseelands, fasziniert mich sehr. Wir erkunden mit Carlo innerhalb eines halben Jahres ganz Neuseeland. Doch entgegen unserem ursprünglichen Plan entscheiden wir uns spontan, den Aufenthalt in diesem wunderschönen Land zu verkürzen und die Chance zu nutzen, den Zwischenstopp in Bangkok auf dreieinhalb Monate auszudehnen, um auf diese Weise Südostasien bereisen zu können.

„Noch nie habe ich so viele Lichter und feiernde Menschen auf den Straßen gesehen“

Wir treffen Vorbereitungen wie die Umbuchung unseres Flugs und den Verkauf unseres Autos. Dabei ergibt sich aber ein Problem, denn auf den letzten 200km vor unserem Ziel Christchurch bricht unser Auto zusammen. Wir müssen Carlo zum Schrotthändler bringen – das bedeutet einen riesigen Geldverlust und der Schreck ist groß, aber wir müssen nach vorne blicken, die Reise geht weiter. Bangkok hält einen kleinen Kulturschock bereit. Asien ist eben doch ganz anders als die westliche Welt. Aber das Unbekannte hat auch seinen Reiz, und an das Klima gewöhnt man sich. Wie sind sofort begeistert von den Märkten, den Straßenverkäufern und dem Essen – und von der Tatsache, dass wir uns auf einmal alles leisten können und so viel Luxus für kleines Geld erhalten. Wir bereisen mit Bus und Bahn Thailand, Laos, Malaysia und Singapur und ziehen von Hotel zu Hotel, deren Preise im Durchschnitt nicht höher als 10 € für ein Doppelzimmer sind. In Thailand beeindrucken mich besonders das chinesische Neujahrsfest in Bangkok und der Nationalfeiertag zu Ehren des Königs in Lop Buri. Noch nie habe ich so viele Lichter und feiernde Menschen auf den Straßen gesehen. Auch von der uralten Kultur sind wir begeistert, die wir in Form von Tempeln und Burgen, vor allem in der Königsstadt Ayutthaya, sehen. Wir nehmen alles mit, was Asien zu bieten hat, was für mich allerdings auch eine üble Lebensmittelvergiftung bedeutet.

Zum Abschluss geht es noch einmal in die arabische Welt nach Dubai, die Stadt der Extreme. Für fünf Tage kommen wir bei einem indischen Couchsurfer unter, der uns auf eine Wüstenwanderung in Oman mitnimmt. Außerdem besteigen wir den höchsten Turm der Welt, den Burj Khalifa. Doch leider ist jede Reise einmal zu Ende, und somit landen wir schließlich wieder am Frankfurter Flughafen, wo neun Monate zuvor unsere Reise begonnen hat. Unseren Familien haben wir ein anderes Ankunftsdatum mitgeteilt, sodass wir den Überraschungseffekt auf unserer Seite haben. Ich stehe also plötzlich vor der Tür und erfreue mich an den völlig verblüfften Gesichtern meiner Familie. Im Laufe des Abends besuche ich genauso unerwartet meine Freunde, die überglücklich sind. Die Wiedereingewöhnung in Deutschland, an das Wetter und an den Alltag jenseits vom Reisen verläuft holprig und braucht natürlich seine Zeit. Aber ich merke, wie ich mich verändert habe, und versuche, mir die Freiheit, Offenheit und Abenteuerlust zu bewahren. Und zum Schluss verrate ich euch noch etwas: Wen das Reisefieber einmal gepackt hat, den lässt es nicht mehr los. Ich kann eine längere Reise, welcher Art auch immer, nur empfehlen. Für mich ist es die bisher wertvollste und spannendste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe. Ein bisschen Mut bringt uns voran und hält jede Menge Spaß bereit.

Saskia Knauft, 21, studiert Ethnologie und Politikwissenschaften, um später in der Entwicklungsarbeit oder internationalen Zusammenarbeit tätig sein zu können. Nebenher versucht sie, so viele Praktika wie möglich im Ausland zu absolvieren.

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