Mittwoch, 22. Februar 2017
weltweiser: Beratung - Messen - Völkerständigung - Schüleraustausch und andere Auslandsaufenthalte

Interview zu Auslandsaufenthalten

Ausland: Zeitpunkt, Zielländer, Kosten und Finanzierung

 

Gekürzt erschienen als: "Ticket zum Erfolg: der Auslandsaufenthalt - Zeitpunkt, Länder, Kosten, Finanzierung und Karriereaussichten, fünf Exklusiv-Tipps von Bildungsberaterin Annike Henrix", in: Genossenschaftliche Allgemeine (GAZ), April/Mai 2014, Seite 6

 

 

Was ist der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt während der Schulzeit? Und was ist
die beste Form und Länge?

Die Mehrheit der Schüler geht nach der Mittelstufe für ein Jahr, ein Halbjahr oder drei Monate ins Ausland, also im Alter von 14, 15 oder 16 Jahren. Ein High School-Aufenthalt kann aber auch schon während der 9. Klasse oder erst nach dem ersten Jahr der Oberstufe (Einführungsphase EF) stattfinden. Die meisten deutschen Schüler ziehen im Sommer los. Da das Schuljahr auf der Südhalbkugel z.B. in Australien und Neuseeland jedoch zu Jahresbeginn anfängt, entscheiden sich eine Reihe von Jugendlichen für die Ausreise im Januar. Ganz wichtig ist vor allem, dass der Schüler sich mit seiner Entscheidung wohl fühlt!

 

Beim Schüleraustausch kommt nicht immer an die gewünschten Traumorte. Welche Vorteile
bringt die Provinz?

Nehmen wir das Beispiel USA, Gastland Nr. 1 für deutsche Jugendliche: Mittlerweile gibt es die Option, sich ganz gezielt für einen Schulbezirk und eine Metropole im Gastland zu entscheiden. Allerdings hat das häufig zur Folge, dass viele internationale und deutsche Jugendliche ein und die gleiche High School besuchen. Wer die Sicherheit braucht und gerade das gut findet, der kann über ein solches Wahlprogramm bestimmen, wo genau es hingeht. Achtung: Allerdings bedeutet auch Schulbezirk Los Angeles nicht gleich Hollywood oder Gastfamilie am kalifornischen Strand. Wer offen ist oder schlichtweg ein kleineres Budget zur Verfügung hat, entscheidet sich für das Land USA als solches. Dann kann es eben auch in kleine Orte oder ländliche Regionen gehen. Gerade da ist man im positiven Sinne oft „etwas Besonderes“. Es soll schon Austauschschüler gegeben haben, die mitsamt Foto in der Lokalpresse angekündigt wurden.

 

Welche Möglichkeiten gibt es über High School und Auslandssemester hinaus?
Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß, sodass nur ein paar Beispiele genannt werden: Schüler können an einer Sprachreise oder Jugendbegegnung während der Ferien teilnehmen. Abiturienten und Studierende haben die Wahl zwischen Au-Pair z.B. in den USA oder Europa, einem Freiwilligendienst z.B. in einem Entwicklungs- oder Schwellenland oder Work & Travel. Gerade für Studenten sind natürlich auch Auslandspraktika interessant, um erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln.

 

Mit welchen Kosten muss man rechnen? Wie kann man den Auslandsaufenthalt finanzieren?
Die Kosten sind ganz unterschiedlich hoch. Ein High School-Jahr kostet derzeit zwischen ca. 6.000 und 25.000 Euro – je nach Programm und Land. Privatschul- und Internatsprogramme sind noch einmal teurer. Ein Au-Pair-Aufenthalt ist besonders kostengünstig und liegt bei ca. 200 bis 1.000 Euro für ein ganzes Au-Pair-Jahr in den USA oder Europa (in Australien und Neuseeland ist das Programm teurer). Work & Travel lässt sich mit einem Startbudget von etwa 2.500 Euro in die Tat umsetzen. Einige Schüler und Studenten können ihren Schüleraustausch bzw. ihr Auslandssemester mithilfe von Auslands-BAföG teilfinanzieren. Insbesondere für High School-Programme und Studienaufenthalte gibt es zudem einige Stipendien, z.B. die WELTBÜRGER-Stipendien (Schüler) oder die Stipendien des DAAD (Studenten).

 

Wie findet man den richtigen Anbieter?
Um die passende Organisation zu finden, sollte man unter anderem darauf achten, ob der Anbieter ausreichend Erfahrung mit dem Gastland hat, seit wann er das gewünschte Programm dort anbietet und wie intensiv er die Teilnehmer auf den Aufenthalt vorbereitet. Darüber hinaus kann man sich mit ehemaligen Teilnehmern des Anbieters austauschen. Ein Besuch auf einer der JUBi – Jugendbildungsmessen, die in vielen Städten in NRW stattfinden, kann ebenfalls Klarheit schaffen. Der Eintritt ist frei.

 

Welche Länder und Regionen sind im Trend? Und wem würden Sie welches Land empfehlen?
Schüler, Abiturienten und Studierende zieht es vor allem in englischsprachige Länder. Beliebt sind die USA, Kanada, Australien und Neuseeland sowie Großbritannien. Manche Programme lassen sich besonders gut in bestimmten Ländern durchführen. So z.B. Work & Travel in Down Under und Kanada, weil es eben dort das passende Visum gibt. Wer das Außergewöhnliche sucht, findet auch Programme in Usbekistan oder Paraguay. Geheimtipp: Gerade für solch weniger nachgefragte Länder kommt man oft deutlich leichter an Stipendien oder finanzielle Zuschüsse. Die Entscheidung für oder gegen ein Gastland sollte jeder selbst treffen. Wer auf Laptop, fließendes Wasser und den morgendlichen Kaffee aus dem Automaten nicht verzichten will, der ist in einem Entwicklungsland nicht unbedingt richtig aufgehoben.

 

Wie kann man sich vorbereiten? Und mit welchen Schwierigkeiten muss man rechnen?
Wer sich für längere Zeit ins Ausland wagt, beschäftigt sich vorab mit dem Gastland aber meist auch mit den eigenen Ängsten: Habe ich mich richtig entschieden? Werde ich Freunde finden? Verstehe ich die Sprache? Neben einer guten Vorbereitung durch den Anbieter – oder im Fall von Auslandssemestern durch die Hochschule – ist der Austausch mit Rückkehrern oft besonders wertvoll. Man bekommt ein besseres Bild von dem, was einen vor Ort erwartet und Tipps, wie man z.B. eine Unterkunft findet. Dennoch können Heimweh und „Kulturschock“ zuschlagen. Das wird von jedem anders wahrgenommen und durchlebt. Wenn man sich von Anfang an klar macht, dass es eben nicht in den Urlaub geht, sondern Höhen und Tiefen auf einen warten, dann ist das eine gute Ausgangsposition. Auch vermeintlich „negative“ Erlebnisse können ein Auslandsjahr zu einem gelungenen Jahr machen, in dem man lernt, auf eigenen Füßen zu stehen.

 

Wie wichtig sind Auslandsaufenthalte für das spätere Berufsleben?
Ein Auslandsaufenthalt ist immer ein Pluspunkt im Lebenslauf. Fremdsprachenkenntnisse in mindestens einer Sprache sind für die meisten Jobs wichtig. Aber den Personalverantwortlichen kommt es ebenso auf die Soft Skills an, die man im Rahmen eines Auslandsaufenthalts erwirbt: z.B. Selbstständigkeit, Flexibilität oder Anpassungsfähigkeit.

 

Es gibt auch kritische Stimmen. Manche Lehrer oder Personaler sprechen von „vertrödelter Zeit“ oder „einem verlorenen Jahr“. Worauf muss man achten?
Bevor man einen Auslandsaufenthalt plant, sollte man in sich hinein hören: Was verspreche ich mir von meiner Zeit im Ausland? Manche jungen Menschen, vor allem Abiturienten, suchen bewusst eine Auszeit, um zu sich selbst zu finden. Es muss nicht immer ein akademisches Programm im klassischen Sinne sein. Wer die Motivation für seinen Aufenthalt begründen kann – im Zweifelsfall bei einem Bewerbungsgespräch – der hat nichts zu befürchten. Zeit im Ausland, ist nie „verlorene Zeit“. Selbst wenn man nach der Rückkehr ein Jahr länger zur Schule geht oder ein Semester dranhängt: Man hat gewonnen, da man im Ausland seinen Horizont erweitert und fürs Leben gelernt hat.

 

 

Annike Henrix, Bildungsberaterin
weltweiser – Der unabhängige Bildungsberatungsdienst, Büro Aachen
Telefon: 0241-963 1190
E-Mail: beratung@weltweiser.de
Web: www.weltweiser.de

 

Zur Person:
Annike Henrix, geboren 1979, entschied sich mit 16 Jahren für ein Auslandsjahr in den USA, wo sie das Schuljahr 1996/97 in der Nähe von Boston bei einer Gastfamilie verbrachte und die High School besuchte. Nach dem Abitur 1999 nahm sie ihr Magisterstudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auf und studierte Anglistik und Amerikanistik, Kulturwissenschaften und Geschichte. Während des Studiums absolvierte Annike Henrix ein Praktikum in den Vereinigten Staaten und verbrachte zwei Studiensemester in England. Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums 2005 nahm sie ihre Arbeit als Auslandsstudienberaterin beim Australisch-Neuseeländischen Hochschulverbund auf. Seit Anfang 2007 arbeitet sie als Bildungsberaterin und Projektleiterin für weltweiser und betreut das weltweiser-Büro in Aachen.

 

Über weltweiser:
Der unabhängige Bildungsberatungsdienst weltweiser wurde im Jahr 2000 von Thomas Terbeck gegründet. Das Team von weltweiser hat es sich zur Aufgabe gemacht, sachkundig über Auslandsaufenthalte und internationale Bildungsangebote zu informieren. weltweiser ist weder Austauschorganisation noch Reiseveranstalter, sondern neutrale Beratungsinstitution. Auf der bundesweit veranstalteten JUBi – Die Jugendbildungsmesse sowie über unsere Publikationen erhalten Schüler und junge Erwachsene Gelegenheit, sich rund um das Thema Auslandsaufenthalte zu informieren. Darüber hinaus beraten wir Jugendliche und Familien individuell, halten Vorträge und stehen Interessenten aus dem Bildungssektor gern als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

Auswahl an Publikationen:
Handbuch Weltentdecker. Der Ratgeber für Auslandsaufenthalte
5. Auflage Sept. 2013, 14.80 Euro. ISBN: 978-3-935897-26-6
www.handbuchweltentdecker.de

 

Stubenhocker. Die Zeitung für Auslandsaufenthalte
mit Erfahrungsberichten von Rückkehrern, kostenlos. ISSN: 2191-1215
www.stubenhocker-zeitung.de

 

JUBi – Die Jugendbildungsmesse:
Seit 2003 bietet weltweiser Jugendlichen und Eltern die Möglichkeit, sich auf der Jugendbildungsmesse JUBi über die verschiedenen Facetten von Auslandsaufenthalten zu informieren. In bundesweit 28 Städten beraten Austauschorganisationen und Bildungsanbieter zu Schüleraustausch, High School Sprachreisen, Au-Pair, Work & Travel, Freiwilligendiensten, Praktika und Studieren im Ausland. Der Eintritt ist frei. Die JUBi ist eine der größten deutschen Spezialmessen zum Thema Bildung im Ausland. In Österreich, der Schweiz und Norditalien gibt es seit 2013 die Schwestermesse Youth Education & Travel Fair.

 



Kontakt & Rückfragen

 

Schüleraustausch Beratung


Ansprechpartnerin:

Annike Henrix, Bildungsberaterin

weltweiser - Büro Aachen
Telefon: 0241-963 1190

E-Mail: beratung@weltweiser.de

Auslandsforum
Im Auslandsforum findet man allgemeine Informationen, aktuelle Angebote, Programmdetails und wichtige Termine zu Programmen wie Au-Pair, Freiwilligendiensten, Praktika, Schüleraustausch, Sprachreisen, Studieren im Ausland und Work and Travel.
JUBi - Jugendbildungsmesse
Die Jugendbildungsmesse JUBi ist eine der deutschlandweit größten Spezial-Messen zum Thema Bildung im Ausland.
Ratgeber

1. Das Handbuch Fernweh ist der umfangreichste Ratgeber zum Schüleraustausch. Es bietet neben vielen Insider-Tipps, Infos und Links auch Preis-Leistungs-Tabellen von High-School-Programmen für 18 Gastländer

2. Handbuch Weltentdecker. Der Ratgeber für Auslandsaufenthalte. Mit übersichtlichen Service-Tabellen für Au-Pair, Freiwilligendienste, Gastfamilie werden, Homestay, Jobs, Praktika, Schüleraustausch, Sprachreisen, Studium, Work and Travel

 

3. Handbuch Schulwelten. Der Ratgeber für Privatschulaufent-
halte weltweit. Mit übersichtlichen Service-Tabellen zu Privatschul-programmen in den Gastländern Großbritannien, Irland, USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

High School Community
Mit über 180.000 Beiträgen ist die High School Community eine der größten deutschen Plattformen zum Thema Schüleraustausch.