Schüleraustausch

Austauschjahr – High School – Schuljahr im Ausland

Das Wort Schüleraustausch ist ein Sammelbegriff für alle Aktivitäten, bei denen Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren für eine begrenzte Zeit am Alltags- und Schulleben eines anderen Landes teilnehmen und dadurch eine fremde Kultur und Lebensweise kennen lernen. Diese Programme sind mitttlerweile auch bekannt unter den Begriffen High School Aufenthalt und Auslandsjahr. Gerade bei dieser Schüler-Programmen ist es sinnvoll, auf die Hilfe der Experten von Austauschorganisationen zurückzugreifen.

Der Schüleraustausch wurde in der Nachkriegszeit ins Leben gerufen. 1948 gingen die ersten beiden deutschen Schüler in die USA und ein paar Jahre später verbrachten amerikanische Teenager einen Sommer in deutschen Gastfamilien. Mittlerweile besuchen jährlich viele Tausend Deutsche eine Schule im Ausland. Ein direkter Austausch mit Gegenbesuch zwischen einer deutschen Familie und einer Familie im Ausland findet jedoch kaum mehr statt. Deshalb wird häufig auch nicht mehr von Schüleraustausch gesprochen, sondern von Auslandsjahr, Austauschjahr, Schuljahr im Ausland oder von einem High-School-Besuch.

Ein Austauschschüler lebt klassischerweise für mehrere Monate in einer Gastfamilie, nimmt aktiv am Familienleben und -alltag teil und besucht die weiterführende Schule vor Ort. Ein Teil der deutschen Gastschüler entscheidet sich alternativ für die Unterbringung in einem Internat und somit für das Zusammenleben mit Gleichaltrigen. Wie der Name schon besagt, nimmt der Schulbesuch im Alltag eines Austauschschülers eine zentrale Position ein. Das bedeutet nicht, dass Leistung und Noten notwendigerweise im Vordergrund stehen müssen, sondern dass die Schule als Ort des kulturellen Austauschs und des Kennenlernens des Gastlandes fungiert. Dort trifft man auf andere Jugendliche, erkundet ein neues Bildungssystem und bringt sich – wenn angeboten – am besten in Nachmittagsaktivitäten wie Sport oder Clubs ein.

Übrigens können, je nach individueller Situation, auch Schüler mit chronischen Erkrankungen oder Beeinträchtigungen an einem High-School-Programm teilnehmen.


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Wie teuer ist ein Schüleraustausch? Wie finde ich die passende Organisation? Wie bewerbe ich mich für ein Auslandsjahr und wo bekomme ich ein Stipendium?

Die Antworten gibt es in unserer YouTube-Playlist:


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Tipps | Infos | Kosten

Schüleraustausch im Überblick

WELCHER ZEITRAUM IST MÖGLICH?

Eine „richtige“ oder „falsche“ Dauer für einen Schüleraustausch gibt es eigentlich nicht. Als zukünftiger Austauschschüler sollte man sich vor allem wohl fühlen mit seiner Entscheidung. Je nach Programm und Gastland sind verschiedene Zeiträume realisierbar. So gibt es die Option für ein Schuljahr oder ein Schulhalbjahr ins Ausland zu gehen. Insbesondere in den Ländern, die ihr Schuljahr in drei oder vier so genannte Terms einteilen, ist auch ein kürzerer Aufenthalt von circa drei Monaten möglich. Die Anzahl der Terms kann man selbst bestimmen, sodass zwischen drei Monaten und einem Schuljahr mehrere Varianten denkbar sind.

Unterm Strich gilt natürlich: Je länger ein Schüleraustauschprogramm dauert, desto intensiver sind die gemachten Erfahrungen. Wem jedoch ein Schuljahr als zu lang erscheint, sollte auf jeden Fall für einen kürzeren Zeitraum statt gar nicht ins Ausland gehen. Außerdem können die Programme in der Regel verlängert werden, wenn die Zeit vor Ort dann doch zu schnell verfliegt.

WANN SOLLTE ES LOSGEHEN?

Aufgrund des Schuljahresverlaufs in Deutschland beginnen die meisten deutschen Jugendlichen ihren Schüleraustausch zwischen Juli und September. Es ist aber ebenso möglich, zum zweiten deutschen Halbjahr ins Ausland zu gehen. In die eigenen Überlegungen mit einfließen kann auch folgende Faustregel: In Ländern auf der Nordhalbkugel fängt das Schuljahr – wie in Deutschland – im August oder September an. In Ländern auf der Südhalbkugel ist der Beginn des Schuljahres im Januar bzw. Februar. Wer also ein komplettes Schuljahr z.B. in Neuseeland oder Australien miterleben will, könnte seinen Schüleraustausch von Januar bis Dezember machen.

In der Regel bietet sich ein Auslandsjahr nach Abschluss der Mittelstufe und vor dem Eintritt in die Oberstufe an. Seit der Einführung der Schulzeitverkürzung G8 in den meisten Bundesländern geht der Großteil deutscher Austauschschüler somit nach der 9. Klasse bzw. im Laufe der Jahrgangsstufe 10 ins Ausland. Es ist aber auch möglich, als Gymnasiast das Einführungsjahr der Oberstufe (also die 10) erst noch regulär zu durchlaufen, danach an einem Schüleraustauschprogramm teilzunehmen, um schließlich nach der Rückkehr mit der 11. Klasse einzusteigen. Ebenso beenden Haupt-, Real- und oftmals auch Gesamtschüler erst einmal die 10. Klasse, bevor sie aufbrechen. Wer das Abitur nach 12 Schuljahren anstrebt, darf die Jahrgangsstufe 11 und 12 der deutschen Oberstufe nicht verpassen. Die beiden letzten Schuljahre sind abiturrelevant. Wichtig: Vor der Planung eines Schüleraustauschs sollten die Vorgaben des Bundeslandes studiert werden, in dem man zur Schule geht. Auch ein frühzeitiges Gespräch mit der deutschen Heimatschule ist sinnvoll.

SCHÜLERAUSTAUSCH GASTLAND NUMMER 1: USA

Die Mehrheit deutscher Jugendlicher zieht es in englischsprachige Länder in Übersee – allen voran in die USA. Einen informativen Online-Ratgeber zum Thema High-School-Jahr in den USA inklusive eines High-School-Finders, der bei der Wahl der richigen Austauschorganisation hilft, findet man unter highschooljahr-usa.de. Die Vereinigten Staaten werden auf der Beliebtheitsskala mit einigem Abstand gefolgt von Kanada, Neuseeland und Australien. Aber auch europäische Länder wie Großbritannien, Irland, Frankreich oder Spanien sind nachgefragt. Egal ob Europa, Nord-, Mittel- oder Südamerika, Afrika, Asien oder Ozeanien: Die Welt steht Austauschschülern offen!

WIE TEUER IST EIN SCHÜLERAUSTAUSCH?

Aus Sicht der meisten Familien ist ein Schüleraustausch ein kostenintensives Unterfangen. Folgende Posten, die zusammen die Summe des Programmpreises ergeben, müssen beglichen werden:

– die Dienstleistungen der Austauschorganisation, wie die Beratung und Begleitung der Planungsphase, die Abwicklung der Bewerbung, die Vermittlung, die Vorbereitung in Deutschland und die Betreuung vor Ort im Gastland sowie ggf. eine Nachbereitung.
– An- und Abreise ins Gastland
– Versicherungen (Haftpflicht-, Kranken-, Unfall-, Reisegepäckversicherung)
– je nach Gastland und Programmform: ggf. Schulgebühren und ggf. Aufwandsentschädigung für die Gastfamilie

Länderwahlprogramme sind kostengünstiger als Schulbezirks- oder Schulwahlprogramme. Hinzu kommen die Ausgaben vor Ort im Gastland: Monatlich sollten circa 100 bis 250 Euro für Taschengeld einkalkuliert werden

FINANZIERUNG

High-School-Aufenthalte werden mehrheitlich aus privater Tasche finanziert. Glücklich schätzen können sich alle Schüler, deren Familien Geld zur Seite legen konnten, um den Schüleraustausch zu bezahlen. Es gibt jedoch auch Finanzspritzen und Stipendien, die Jugendlichen aus einkommensschwächeren Familien einen Schüleraustausch ermöglichen können. So kann man z.B. die staatliche Förderung Auslands-BAföG beantragen, wenn man mindestens für ein halbes Jahr im Ausland zur Schule geht. Im Idealfall zahlt der deutsche Staat 504 Euro pro Monat plus eine Pauschale für die An- und Abreise von bis zu 1.000 Euro.

Stipendien werden als Teil- oder Vollstipendien vergeben; entweder von Austauschorganisationen oder von Institutionen wie z.B. dem Deutschen Bundestag. Für ein Schüleraustausch-Stipendium können sich alle Jugendlichen bewerben, die die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen. Manche Stipendien werden einkommensabhängig vergeben. Andere Stipendien richten sich an akademisch leistungsstarke oder im Bereich Sport, Musik oder Kunst besonders begabte Schüler. Es gibt zudem Stipendien, die ehrenamtliches Engagement oder aber Kreativität und Einfallsreichtum des Bewerbers voraussetzen. Die Bewerbung für ein Stipendium sollte man nicht zwischen Tür und Angel anfertigen. Die Unterlagen und Dokumente sollten in aller Ruhe und durchdacht ausgefüllt werden. Zudem ist es wichtig, die Bewerbungsfristen zu kennen und einzuhalten, die teils sehr weit vor dem eigentlichen Programmbeginn liegen.

Eine umfangreiche Zusammenstellung von Stipendienmöglichkeiten findet man im Handbuch Fernweh, dem umfangreichsten Ratgeber zum Schüleraustausch.

WELCHE PROGRAMMVARIANTEN GIBT ES FÜR DEN SCHÜLERAUSTAUSCH?

Austauschschülern steht nicht nur fast die ganze Welt offen, sie haben auch die Qual der Wahl, wenn es um die Programmform geht. Je nach Zielland und Austauschorganisation kann man entweder ausschließlich das Land oder einen Schulbezirk im Wunschland oder sogar die Gastschule auswählen. Alle drei Programmvarianten haben ihr Für und Wider und keine ist besser oder schlechter als die andere. Es gilt, die passende Programmform ausfindig zu machen – hier spielen nicht zuletzt auch die Kosten eine Rolle. Die drei Programmformen:

WAHL EINES LANDES

Der Klassiker: Man wählt sein Gastland aus und wird vom Partner der deutschen Austauschorganisation bei einer Gastfamilie und an einer öffentlichen Schule platziert. Die Platzierung kann landesweit erfolgen. Es bleibt also spannend, da man zunächst nicht weiß, wo man den Schüleraustausch verbringen wird. Erst wenn Gastfamilie und Schule feststehen, bekommt man Bescheid, wo sich das neue Zuhause auf Zeit befindet. Geografische Wünsche können bei einigen Austauschorganisationen angegeben werden; eine Garantie gibt es jedoch nicht. Oft ist die Wunsch-Platzierung mit einem Aufpreis verbunden. Besonders verbreitet ist das beschriebene Länderwahlprogramm im Fall des Gastlands USA.

WAHL EINER REGION / EINES SCHULBEZIRKS

Über ein Regionen- bzw. Schuldistriktswahlprogramm kann man beeinflussen, in welcher Gegend und in welchem Einzugsgebiet man leben und zur Schule gehen wird. Erscheint eine bestimmte „Ecke“ des Gastlandes als besonders reizvoll oder sagen einem die Schulprofile der Schulen eines Schulbezirks zu, ermöglicht ein solches Programm die Platzierung im Wunschgebiet. So kann man u.a. sicherstellen, dass man z.B. in einem städtischen Ballungsgebiet oder eher ländlich platziert wird. Wer sich für das Gastland Kanada entscheidet, wird vor allem dieser Programmvariante begegnen.

Hinweis: In sehr nachgefragten Gegenden ist die Anzahl deutscher und internationaler Austauschschüler an den weiterführenden Schulen vergleichsweise hoch.

WAHL EINER SCHULE

Im Rahmen dieser Programmform können Wünsche und Vorstellungen des zukünftigen Austauschschülers konkret berücksichtigt werden. So kann man mit der direkten Auswahl einer öffentlichen oder privaten Schule selbst steuern, wo die Schule liegt, welche Fächer angeboten werden, welches Sport- und Freizeitprogramm es gibt, wie groß die Schule ist, wie viele internationale Schüler durchschnittlich zu Gast sind, ob es sich um eine gemischte oder eine Mädchen- bzw. Jungenschule handelt etc. In Bezug auf die Schule wird also nichts dem Zufall überlassen. Besonders üblich ist diese Programmvariante z.B. beim Schüleraustausch nach Australien oder Neuseeland.

Hinweis: Privatschulprogramme sind meist Schulwahlprogramme; dies gilt vor allem für die englischsprachigen Gastländer. Wer sich also für den Besuch einer privaten Tagesschule oder eines privaten Internats im Ausland entscheidet, sucht sich seine Schule in der Regel selbst aus.

ZAHLEN UND FAKTEN

Die repräsentative Schüleraustausch-Studie des unabhängigen Bildungsberatungsdienstes weltweiser liefert einen bundesweiten Vergleich der Teilnehmerzahlen an Schüleraustauschprogrammen. Die vier „weltoffensten“ Bundesländer waren im Schuljahr 2017/18 Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein und Bremen: In Hamburg gingen rund 5,5%, in Berlin 2,9%, in Schleswig-Holstein 2,1% und in Bremen 2,0% der relevanten Zielgruppe ins Ausland. Während auch in Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen relativ viele Schüler (1,7% bis 1,4%) mindestens drei Monate ihrer Schulzeit im Ausland verbrachten, waren es in den restlichen Bndesländern jeweils nur rund 1%. Absolute Schlusslichter sind das Saarland und Sachsen-Anhalt (0,7%).

SCHÜLERAUSTAUSCH UND SEIN NUTZEN

Schüler, die im Teenager-Alter die Gelegenheit nutzen, für mehrere Monate als Austauschschüler ins Ausland zu gehen, erweitern ihren Horizont maßgeblich. Als aktives Mitglied der Gastfamilie und der Schulgemeinschaft lernen sie auf intensive Weise Kultur, Lebensart und Alltag des Gastlandes kennen. In einem sehr prägenden Alter der Selbstfindung und des Erwachsenwerdens beginnen sie ihre eigenen Werte und Vorstellungen kritisch zu überprüfen. Die Mehrheit der Jugendlichen kehrt selbstständiger und reifer aus dem Ausland zurück. Fast schon beiläufig bauen die Jugendlichen zudem ihre Fremdsprachen-kenntnisse aus und leisten ihren eigenen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung. Letztlich zählt ein Auslandsaufenthalt heutzutage immer auch als Bonus für spätere Bewerbungen im Berufsleben.

Über ihre ganz persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse zum Schüleraustausch berichten Jugendliche im Stubenhocker. Die Zeitung für Auslandsaufenthalte.


Zahlen zum Schüleraustausch

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Männliche Programmteilnehmer in %

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Weibliche Programmteilnehmer in %

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Beliebtestes Gastland USA in %

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Teilnehmer/innen im Schüleraustausch insgesamt

Die Zahlen stammen aus der weltweiser-Studie und beziehen sich auf das Schuljahr 2018/19.

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Den „High School Spirit“ in den USA erleben, mit südkoreanischen Mädchen die Schulbank drücken oder in den Sprachenmix im kanadischen Montreal eintauchen: Wer für einen Schüleraustausch im Ausland war, hat viel Spannendes zu erzählen. In den Erfahrungsberichten kommen zahlreiche Rückkehrer zu Wort, um persönliche Einblicke in ihren High School Aufenthalt zu gewähren.

Zusätzlich bieten Bildungsexperten mit aktuellen Themen rund um den Schüleraustausch hilfreiche Informationen. Alle Erfahrungsberichte befinden sich auch im Kompass. Die beliebtesten Gastländer für einen Schüleraustausch sind derzeit die USA, Kanada und Neuseeland, sodass diese Erfahrungsberichte zuerst gelistet werden. Berichte zu weiteren Gastländern folgen in alphabetischer Sortierung.

Viele weitere Erfahrungsberichte zum Thema Schüleraustausch findest du im Kompass.


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weltweiser Studien zum Schüleraustausch

Schüleraustausch, High School, Auslandsjahr 2019

Nachfolgend die wichtigsten Fakten zur Schüleraustausch Studie 2019. Die komplette Studie ist über den folgenden Button downloadbar.

ZUR SCHÜLERAUSTAUSCH STUDIE (PDF)
weltweiser · Thomas Terbeck · Geschäftsführer · weltweiser-Team

VORWORT VON AUTOR THOMAS TERBECK

Gründer und Inhaber von weltweiser

Jahr für Jahr brechen viele Tausend Schüler/innen in fremde Länder auf, um eine neue Kultur und ein anderes Schulsystem kennenzulernen, um neue Unterrichtsfächer und Sportarten auszuprobieren, Freundschaften zu schließen und um möglichst viele Erfahrungen für ihr weiteres Leben zu sammeln. Solche langfristigen Auslandsaufenthalte sind bekannt unter den Begriffen Schüleraustausch, High School Year oder Auslandsjahr. Meist sind diese Austauschprogramme mit dem Aufenthalt in einer Gastfamilie verbunden, was den Jugendlichen einzigartige Einblicke in eine andere Lebensweise und Kultur gibt, in die sie als Familienmitglied auf Zeit eintauchen können.

Da Austauschschüler/innen nicht nur persönlich von ihren Eindrücken profi tieren, sondern auch die deutsche Gesellschaft aus der gelebten Völkerverständigung und den neu gewonnenen Perspektiven der jungen Weltentdecker einen großen Nutzen zieht, ist es wichtig, dass die (gesetzlichen) Rahmenbedingungen und Förderprogramme für Schüleraustauschprogramme optimiert werden. Durch ihre intensiven interkulturellen Erfahrungen bereichern diese jugendlichen „Weltbürger“ nicht zuletzt auch die deutsche Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund veröffentlicht weltweiser, der unabhängige Bildungsberatungsdienst, jährlich eine Studie, welche die aktuellen Entwicklungen im Schüleraustausch untersucht. Es werden verschiedene Aspekte des Programms beleuchtet, unter anderem die generelle Entwicklung der Teilnehmendenzahlen, die Beliebtheit der Gastländer sowie die Popularität des Schüleraustauschprogramms in den einzelnen Bundesländern.

Ein Blick auf die erhobenen Daten ermöglicht es, Aussagen zu Trends und Entwicklungen im Schüleraustausch zu treffen und lässt so auch Rückschlüsse auf die Austauschbranche zu. So gab es in Deutschland noch nie so viele Austauschorganisationen und Agenturen wie heute, die Schüleraustauschprogramme anbieten: Insgesamt kann man von rund 100 Vereinen, Institutionen und Unternehmen ausgehen. Während es auf der einen Seite im Vergleich zu anderen Branchen in den letzten Jahrzehnten eine geringe Zahl an Geschäftsaufgaben und Insolvenzen gab, starteten selbst in dem schwieriger werdenden Umfeld der letzten Jahre fast alle Neugründungen erfolgreich durch. Einer der Hauptgründe für diese nicht selbstverständliche Entwicklung dürfte in der ungebrochenen Popularität von Schüleraustauschprogrammen unter deutschen Jugendlichen zu fi nden sein. Denn trotz der Rückgänge in letzter Zeit bewegen sich die derzeitigen Zahlen der Gesamtteilnehmenden ungefähr auf dem gleichen Niveau wie vor zehn Jahren. Und somit besuchen auch in diesem Schuljahr mehr deutsche Jugendliche für mindestens drei Monate eine Schule im Ausland als in irgendeinem Austauschjahrgang zwischen 1948 und 2005.

So unterschiedlich die individuellen Eindrücke jedes einzelnen Programmteilnehmenden auch sind: Die Teilnahme an einem langfristigen Schüleraustauschprogramm ist eine einzigartige Erfahrung, von der man sein ganzes Leben lang profi tiert. Ein zentrales Moment ist die dabei erfahrene Gastfreundschaft, die aus Fremden Freunde fürs Leben macht.

weltweiser ist davon überzeugt, dass langfristige Auslandsaufenthalte nicht nur akademisch von großem Nutzen sind, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können. Die Chance, eine andere Kultur zu erleben und seinen persönlichen Horizont zu erweitern, sollte man sich unserer Meinung nach nicht entgehen lassen.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Auf den folgenden Seiten werden die erhobenen Daten zum Schüleraustausch ausführlich präsentiert und ausgewertet. Die zentralen Ergebnisse haben wir an dieser Stelle stichpunktartig zusammengefasst:

  • Die Studie zeigt, dass Schüleraustauschprogramme mit einer Gesamtzahl von rund 15. 900 Teilnehmenden im Schuljahr 2017/2018 zwar weiterhin eine erfreuliche Resonanz erfahren, die Zahlen jedoch im siebten Jahr in Folge zurückgehen. Die Anzahl der Austauschschüler/innen an öffentlichen Schulen betrug 11. 600.
  • Trotz dramatischer Verluste in den Teilnehmendenzahlen sind die USA mit 4.535 deutschen Schüler/innen im öffentlichen Schüleraustausch nach wie 4. Das Wichtigste in Kürzevor mit weitem Abstand auf Platz eins der Beliebtheitsskala der Gastländer. Weitere rund 7.000 Jugendliche haben sich für sonstige, insbesondere englischsprachige Destinationen entschieden. Dabei hat vor allem das Gastland Irland an Beliebtheit gewonnen.
  • 15 Prozent der Austauschschüler/innen wechseln während ihres Auslandsaufenthalts mindestens einmal die Gastfamilie. 1,6 Prozent der Teilnehmenden wechselten zweimal die Familie und bei 0,3 Prozent kam es sogar noch häufiger zum Gastfamilienwechsel.
  • Es ist ein deutliches Gefälle zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmenden im Schüleraustausch festzustellen: etwa zwei Drittel aller Programmteilnehmenden sind Mädchen.
  • Insgesamt beläuft sich die Abbruchquote bei Schüleraustauschprogrammen auf 3,6 Prozent. 2,1 Prozent der Jugendlichen brechen ihren Aufenthalt aus verschiedensten Gründen freiwillig ab, 1,2 Prozent werden wegen Regelverstößen zwangsweise nach Deutschland zurückgeschickt und 0,3 Prozent aller Austauschschüler/innen kehren aufgrund von Essstörungen vorzeitig zurück.
  • Schüleraustausch ist ein gymnasiales Phänomen: Vor der Ausreise besuchten 82 Prozent der Austauschschüler/innen in Deutschland ein Gymnasium. Die restlichen 18 Prozent der Teilnehmenden verteilen sich auf sonstige Schularten, unter anderem Gesamtschulen, Mittelschulen, Realschulen, Stadtteilschulen oder Privatschulen.
  • In Deutschland existieren etwa 100 Organisationen und Agenturen. Rund zwei Drittel der Austauschorganisationen entsenden pro Jahr weniger als 100 Jugendliche. 5 Prozent aller Programmanbieter betreuen insgesamt etwa ein Viertel aller Austauschschüler/innen.
  • Während ihres Schüleraustausches besuchen 83 Prozent der Teilnehmenden eine öffentliche Schule und 17 Prozent eine Privatschule.
  • 49 Prozent der Austauschorganisationen bieten ausschließlich Schüleraustausch an öffentlichen Schulen an. 19 Prozent der Anbieter haben ausschließlich privaten Schüleraustausch im Programm und bei 32 Prozent sind beide Programmvarianten buchbar.
  • Der Trend abnehmender Teilnehmenerzahlen im Schüleraustausch spiegelt sich in fast allen Bundesländern wider. Im Vergleich zur letzten Erhebung 2015/16 hat Niedersachsen in 2017/18 die größten Verluste zu verbuchen: Der Rückgang um knapp 600 Teilnehmende auf 870 Schüler/innen entspricht ca. 40 Prozent.
  • Bundesweit nahmen insgesamt rund 2,0 Prozent der Jugendlichen in den relevanten Altersstufen (vgl. Kapitel 2) an einem Schüleraustausch im Schuljahr 2017/2018 teil.
  • Die Zahl der Austauschschüler/innen mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands, welche mit einer deutschen Austauschorganisation ins Ausland reisen, hat über die letzten Jahre deutlich zugenommen. 2017/18 reisten über 600 Jugendliche mit Wohnsitz im Ausland mit einer Organisation aus Deutschland aus.

ENTWICKLUNG DER TEILNEHMENDENZAHLEN IM SCHÜLERAUSTAUSCH SEIT 2002/03

Wie viele Jugendliche machen einen mindestens dreimonatigen Schüleraustausch? Seit dem Schuljahr 2002/03 werden die Zahlen der Programmteilnehmenden, welche mit einer Austauschorganisationen ausreisen, systematisch von weltweiser erfasst, ausgewertet und veröffentlicht. Um die Gesamtheit der Schüler/innen abzubilden, die für einen Gastschulaufenthalt längere Zeit im Ausland verbringen, wird neben den erhobenen Teilnehmendenzahlen im öffentlichen Schüleraustausch auch eine Hochrechnung der Gesamtteilnehmendenzahl vorgenommen.

In Abbildung 1 wird die Entwicklung dieser zwei Größen seit den frühen NullerJahren dargestellt. 1a) beschreibt die Entwicklung der Teilnehmenden mit Austauschorganisation an öffentlichen Schulen und 1b) beschreibt die Entwicklung der Gesamtzahl der Teilnehmenden im Schüleraustausch. Letztere beinhaltet neben Teilnehmenden am öffentlichen Schüleraustausch auch

Austauschschüler/innen, welche an einem staatlichen Programm, an einem Austausch über Rotary oder am Privatschulprogramm teilgenommen haben sowie einen Schätzwert für privat organisierte Schüleraustausche (vgl. Kapitel 3). Während in Abbildung 1a) sehr genaue, auf einer Erhebung basierende Zahlen dargestellt werden, handelt es sich in Abbildung 1b) um Annährungswerte, da für einige Programme nur bedingt belastbare Teilnehmendenzahlen vorliegen und teilweise Schätzwerte einfl ießen. Für das Schuljahr 2005/06 wurden keine Daten erhoben.

In den Schuljahren 2009/10 und 2010/11 konnte ein historisches Hoch im deutschen Schüleraustausch festgestellt werden, in beiden Jahrgängen verbrachten etwa 20. 000 Jugendliche längere Zeit im Ausland und gingen dort zur Schule. Die letzten sieben Jahrgänge folgen wiederum einem stetigen Abwärtstrend.

Abbildung 1: ausgereiste Austauschschüler/innen pro Jahr für mindestens drei Monate

Entwicklung AustauschschülerInnen öffentliche Schule mit Austauschorganisation

Gesamtzahl* aller Austauschschüler/innen in Deutschland

weltweiser Studie Schüleraustausch 2019 Abb1b Entwicklun AustauschschülerInnen
*Zur Bemessungsgrundlage der Gesamtzahl aller Austauschschüler/innen vgl. Kapitel

Einer der Gründe hierfür ist sicherlich in den Schulzeitreformen der unterschiedlichen Bundesländer zu sehen, welche aufgrund des Wechsels zwischen G8 und G9 bei Jugendlichen, Eltern und Lehrer/innen zu Verunsicherung geführt haben.

Außerdem eröffnet der Wegfall der Wehrpflicht bzw. des Zivildienstes im Jahr 2011 Schulabgängern zusätzliche Zeitfenster für einen Auslandsaufenthalt nach dem Schulabschluss. So verlagert sich der Auslandsaufenthalt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen oftmals von der Schulzeit auf das sog. Gap Year nach dem Schulabschluss zugunsten preiswerterer Programme wie beispielsweise Freiwilligendienste, AuPair oder Work and Travel.

Der zu beobachtende Preisanstieg von Schüleraustauschprogrammen in den USA in den vergangenen Jahren verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Abbildung 2 stellt exemplarisch die Entwicklung der Programmpreise für das Länderwahlprogramm und die Teilnehmendenzahlen für die USA in den letzten Jahren dar. Der Preisanstieg liegt deutlich über dem Anstieg des Inflationsniveaus und geht einher mit einer rückläufigen Entwicklung der USA Austauschschüler/innen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass suboptimale gesetzliche Rahmenbedingungen und kaum vorhandene staatliche Förderungsmaßnahmen diesem einmaligen Programm nicht nachhaltig schaden.

Abbildung 2: Entwicklung der Programmpreise (durchschnittliche ab-Preise) und Teilnehmendenzahlen in den USA

Entwicklung der Programmpreise (durchschnittliche ab-Preise) und Teilnehmendenzahlen in den USA

POPULARITÄT DER GASTLÄNDER UNTER DEUTSCHEN AUSTAUSCHSCHÜLER/INNEN

WAS SIND DIE BELIEBTESTEN GASTLÄNDER?

Schüler/innen aus Deutschland reisen im Rahmen von Schüleraustauschprogrammen weltweit in verschiedene Länder, um dort für längere Zeit zu leben und zur Schule zu gehen.

Die große Mehrheit der Austauschschüler/innen beschränkt sich auf einen ausgewählten Kreis von hauptsächlich englischsprachigen Destinationen. Etwa 90 Prozent der Teilnehmenden aus Deutschland verbringen ihren Schüleraustausch demnach in einem der folgenden Länder: USA, Kanada, Neuseeland, Großbritannien, Irland und Australien. Die restlichen rund zehn Prozent der Austauschschüler/innen verteilen sich weltweit auf insgesamt ca. 60 Länder auf allen Kontinenten.

Abbildung 3 bildet die 15 beliebtesten Gastländer im öffentlichen Schüleraustausch mit einer Austauschorganisation* unter Teilnehmenden aus Deutschland im Schuljahr 2017/18 auf einer Weltkarte ab. Wie schon in der Vergangenheit sind die Vereinigten Staaten von Amerika unter deutschen Jugendlichen nach wie vor mit großem Abstand auf Platz Nummer eins auf der Beliebtheitsskala der Schüleraustausch Destinationen: Im vergangenen Schuljahr lebten 4.535 deutsche Jugendliche bei einer US amerikanischen Gastfamilie und besuchten dort eine High School. Das entspricht rund 37 Prozent aller deutschen Schüler/innen im öffentlichen Schüleraustausch. Kanada rangiert mit 2046 Austauschschüler/innen auf dem zweiten Platz. Es folgen Neuseeland (1.250 TN*), Großbritannien (894 TN), Irland (732 TN) und Australien (731 TN). Die Gastländer Frankreich (166 TN), Spanien (159 TN), Costa Rica (126 TN), Südafrika (117 TN) und Japan (108 TN) spielen im Vergleich zu den bereits genannten Destinationen eine untergeordnete Rolle, sind aber Ziel von jeweils mehr als 100 Gastschüler/innen pro Schuljahr. Auf den unteren Plätzen der Liste finden sich Länder wie Argentinien (95 TN), Italien (55 TN), China (54 TN) und Chile (53 TN). Insgesamt 472 Austauschschüler/innen entschieden sich für ein Land jenseits der 15 beliebtesten Gastländer.

Beliebtheit der Gastländer seit 2002/03

Der Rückgang der Teilnehmendenzahlen im Schüleraustausch in den vergangenen Jahren verteilt sich ungleichmäßig auf die unterschiedlichen Gastländer. In den Abbildungen 4a)-e) sind die Entwicklungen der Teilnehmendenzahlen in verschiedenen Ländergruppen dargestellt.

Betrachtet man die Entwicklung der Programmteilnehmenden, wird deutlich, dass sich der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr insbesondere und fast ausschließlich in den USA manifestiert: Von einem allgemeinen Rückgang der Teilnehmendenzahlen um 1.400 entfallen rund 1.200 auf die USA, das entspricht einem länderspezifischen Rückgang um etwa zwanzig Prozent. Dieser Trend führt eine rückläufige Entwicklung der Zahlen fort, welcher bereits seit 2007/08 in den USA zu beobachten ist. Darüber hinaus lässt sich ein Rückgang vor allem in Costa Rica (126 TN, 25 Prozent), Argentinien (95 TN, 21 Prozent), Brasilien (42 TN, 31 Prozent) sowie Australien (731 TN, 5 Prozent) beobachten.

Neben diesen Negativtrends können einige Länder auch ansteigende Teilnehmendenzahlen verbuchen, welche in Anbetracht des Rückgangs der allgemeinen Zahlen im öffentlichen Schüleraustausch durchaus als positive Entwicklung gewertet werden können. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle Irland (732 TN), welches im Vergleich zum Vorjahr 25 Prozent mehr deutsche Jugendliche als SchüleraustauschDestination wählten. Damit besitzen Irland und Australien aktuell etwa den gleichen Beliebtheitsfaktor unter den deutschen Austauschschüler/innen. In den anderen englischsprachigen TopGastländern Kanada (2. 045 TN, +3 Prozent), Neuseeland (1. 250 TN, +1 Prozent) und Großbritannien (894 TN, +3 Prozent) sind ebenfalls leicht positive Trends feststellbar (vgl. Abbildung 4b).

Unter den nichtenglischsprachigen Gastländern sind positive Entwicklungen in Frankreich (166 TN, +4 Prozent), Spanien (159 TN, +30 Prozent), Japan (108 TN, 13 Prozent) und China (54 TN, +74 Prozent) zu beobachten. Hierbei ist zu beachten, dass der jeweilige prozentuale Zuwachs aufgrund der geringen Teilnehmendenzahlen schnell im hohen zweistelligen Bereich liegen kann (vgl. China).

Abbildung 4: Entwicklung der Teilnehmendenzahlen im Schüleraustausch

4a) 15 beliebteste Gastländer

4b) Beliebteste englischsprachige Gastländer

4c) Beliebteste nicht-englischsprachige Gastländer

4d) Beliebteste englischsprachige Gastländer in Übersee

4e) Beliebteste europäische Gastländer


Interviews zum Schüleraustausch

weltweiser · Thomas Terbeck · Geschäftsführer · weltweiser-Team

Thomas Terbeck. Gründer und Inhaber von weltweiser.
Er hat bis zu seinem 25. Geburtstag fast 40 Länder bereist

1. Das klassische Zielland für einen Schüleraustausch sind sicherlich die USA. Welche Alternativen gibt es?

Die USA sind nach wie vor das beliebteste Gastland bei deutschen Jugendlichen. Jedes Jahr besuchen tausende deutsche Schülerinnen und Schüler eine amerikanische High School und leben bei einer Gastfamilie. Nachgefragt sind auch die anderen englischsprachigen Länder in Übersee, also Kanada, Neuseeland und Australien. Letztlich steht einem die Welt offen: Zum Schüleraustausch kann man nach Argentinien oder China, nach Südafrika oder Norwegen reisen.

2. Wenn man sich für einen Schüleraustausch entschieden hat, woran erkennt man eine gute Schüleraustauschorganisation?

Das wichtigste Merkmal ist die Qualität der Betreuung vor, während und nach der Zeit im Ausland. Dazu zählt eine intensive Vorbereitung in Einzelgesprächen und Gruppenseminaren, schriftliche Infomaterialien, und vor allem eine persönliche Betreuung während des Aufenthalts inklusive verantwortungsvollem Problemmanagement. Eine Nachbereitung nach der Rückkehr gehört aus unserer Sicht ebenfalls dazu. Gute Qualität zeichnet sich nicht zuletzt durch Preistransparenz, eine gute Erreichbarkeit der Ansprechpartner sowie geduldiges Auseinandersetzen mit kritischen Fragen aus.

3. Welche Grundvoraussetzungen muss man mitbringen, um an einem Schüleraustauschprogramm teilnehmen zu können?

In erster Linie müssen die Bewerber Interesse am Leben in einer fremden Kultur zeigen. Sie sollten die Bereitschaft mitbringen, sich in eine neue Familie auf Zeit und in ein unbekanntes Schulsystem zu integrieren. Weitreichende Kenntnisse der Sprache des Gastlandes werden von den Teilnehmern hingegen in der Regel nicht erwartet. Neben kultureller Offenheit und Toleranz sollten die Bewerber einen mindestens befriedigenden Notendurchschnitt vorweisen können.

Weitere Informationen zum Schüleraustausch, High School, Schuljahr im Ausland

ERSCHIENEN IN: (NIX FÜR) STUBENHOCKER. DIE ZEITUNG FÜR AUSLANDSAUFENTHALTE,
NR. 1 / 2011, S. 20-21

Stubenhocker: Wer mit dem Gedanken spielt, an einem Schüleraustauschprogramm teilzunehmen, hat die Qual der Wahl: In Deutschland bieten rund 70 Austauschorganisationen mehrmonatige Schulaufenthalte für über 50 Gastländer an. Woran erkenne ich, ob ein Programm „gut“ oder „schlecht“ ist?

Thomas Terbeck:
 Menschen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und finanzielle Möglichkeiten. Daher muss es bei der Vielfalt von Angeboten immer darum gehen, für jeden einzelne Schüler das individuell am besten passende Programm zu finden. Eine pauschale Einteilung von Austauschorganisationen in die Kategorien „gut“ und „schlecht“ ist nicht möglich.

Stubenhocker: Aber es muss doch Qualitätskriterien geben?

Thomas Terbeck: Klar! Werbebroschüren und Internetseiten sollten umfassend informieren und keine falschen Erwartungen wecken. Die Mitarbeiter, zu denen man per E-Mail, Telefon oder auf unseren Jugendbildungsmessen Kontakt aufnimmt, sollten durch Sachkompetenz, verbindliche Auskünfte und ein angenehmes Kommunikationsverhalten überzeugen, nicht durch unhaltbare Versprechen. Und schließlich ist es wichtig, beim Preis-Leistungs-Vergleich darauf zu achten, dass nicht nur ein persönliches Informations- bzw. Bewerbungsgespräch angeboten wird, sondern auch ausführliche Vorbereitungs- und Nachbereitungsseminare, die ein (inter-)kulturelles Training beinhalten.

Stubenhocker: Was sagen Gemeinnützigkeit oder die Mitgliedschaft in einem Verband über die Qualität der Programme eines Veranstalters aus?

Thomas Terbeck: Nichts! Die steuerrechtliche Einstufung als „gemeinnützig“ sowie die Mitgliedschaften in Interessenverbänden wird zwar von einigen Organisationen gerne marketingtechnisch genutzt, aber bei der Suche nach einem individuell passenden Programm sind sie nicht hilfreich. Einige Programme gemeinnütziger Veranstalter haben ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis, andere nicht. Und auch das Angebot, die Ausrichtung und die Qualität der Programme innerhalb der Verbände sind keineswegs homogen. Man kommt also um einen umfassenden Preis-Leistungs-Vergleich nicht herum.

Stubenhocker: Wäre es hilfreich, wenn es so eine Art „Austauschorganisationen-TÜV“ gäbe?

Thomas Terbeck: Nein. Qualitätssiegel machen aus meiner Sicht Sinn bei Geräten, Maschinen, Autos, Lebensmitteln etc., also bei Produkten, deren Qualität durch Labor-, Dauer- oder Verbrauchertests anhand ganz bestimmter Kriterien wie Haltbarkeit, Reinheit oder Funktionalität geprüft und objektiv bewertet werden kann. Denn dadurch haben die Konsumenten zweifelsohne eine Hilfe bei der Kaufentscheidung. Im Bereich „Schüleraustausch“ würde ein Qualitätssiegel allerdings nur eine Menge Geld verschlingen und unterm Strich ausschließlich der prüfenden bzw. akkreditierenden Institution helfen. Einen Nutzen für die Verbraucher sehe ich nicht!

Stubenhocker: Warum?

Thomas Terbeck: Die notwendige objektive Messbarkeit von Qualität ist bei Schüleraustauschprogrammen nicht existent, weil Austauschschüler und ihre Eltern mit ganz unterschiedlichen, qualitativ nicht vergleichbaren Erwartungen und Kommunikationsroutinen auf Gastfamilien, Lehrer und Betreuer treffen, die ebenfalls ganz individuell andere Erwartungen und Alltagsroutinen haben. Ob ein Zusammenleben klappt, und das ist ja der zentrale Punkt des ganzen Programms, kann erst der konkrete Versuch zeigen, und jenseits aller Qualitätsdiskussionen spielt dabei der Zufall in Form der „Chemie“ eine entscheidende Rolle! Darüber hinaus steht und fällt der Erfolg eines Schüleraustauschprogramms auch mit der Bereitschaft von Schülern und Gastfamilien, sich auf etwas Neues einzulassen und hart an sich zu arbeiten, um gemeinsam in den Genuss einer einzigartigen Erfahrung zu kommen. Und diese Bereitschaft ist ganz unterschiedlich ausgeprägt.

Stubenhocker: Vom Zufall einmal abgesehen: Was sind denn überhaupt die zentralen Aufgaben einer Austauschorganisation?

Thomas Terbeck: Neben der bereits erwähnten fundierten Information und interkulturellen Vorbereitung natürlich die Suche nach einer geeigneten Gastfamilie und Schule sowie die Betreuung vor Ort. Diese kann sehr zeitintensiv sein, was man schon daran sieht, dass rund 25% aller Austauschschüler ihre Gastfamilie wechseln. Womit wir wieder bei den Qualitätssiegeln wären: Wie sollte denn bei dieser zentralen Aufgabe, nämlich der Suche nach einer Konfliktlösung zwischen Schüler und Eltern auf der einen und Gastfamilie und ausländischem Partner auf der anderen Seite, die Qualität der Arbeit gemessen und zertifiziert werden? Da jeder einzelne der derzeit 19.500 deutschen Austauschschüler, jedes Gastfamilienmitglied, jeder Betreuer vor Ort und auch jeder Mitarbeiter der deutschen Austauschorganisation ein Individuum ist, das anders tickt, und jeder Fall somit anders bewertet und eingeordnet werden muss, ist es schlicht unmöglich, die Qualität des Problemmanagements eines Veranstalters objektiv zu beurteilen. Denn da es zentraler Bestandteil eines Schüleraustauschprogramms ist, dass die jugendlichen Programmteilnehmer lernen, Probleme eigenständig zu lösen und an dieser Erfahrung zu wachsen, ist es in der Regel nicht sinnvoll und auch nicht vorgesehen, ohne ein, zwei oder drei klärende Gespräche einen sofortigen Gastfamilienwechsel herbeizuführen. Die Option eines schnellen Gastfamilienwechsels würde aber aufgrund des derzeit herrschenden Zeitgeistes ein Großteil der Eltern und Verbraucherschützer als zentrales Qualitätsmerkmal einstufen, wenngleich selbst die betroffenen Jugendlichen dies oft anders sehen.

Stubenhocker: Gibt es weitere Tipps für die Suche nach dem „richtigen“ Programm und Anbieter?

Thomas Terbeck: Bei der Entscheidung für das individuell am besten passende Programm ist es sicherlich nicht von Nachteil, wenn das favorisierte Gastland bereits seit mehreren Jahren zum Portfolio einer Austauschorganisation gehört, idealerweise betreut von demselben Team mit großen Erfahrungswerten. Zentral ist es natürlich, dass der zu wählende Veranstalter überhaupt die Programmvariante anbietet, die aufgrund ihrer Konzeption den Vorstellungen und Erwartungen des zukünftigen Gastschülers am ehesten entspricht. Schließlich sollte aber auch der weiche Faktor „Bauchgefühl“ eine Rolle spielen: Denn mögliche Probleme während des Auslandsaufenthalts bespricht man am besten mit Leuten, die einem prinzipiell sympathisch sind.

Stubenhocker: Warum sollte man überhaupt an einem Schüleraustauschprogramm teilnehmen?

Thomas Terbeck: Langfristige Auslandsaufenthalte während der Schulzeit bieten die außerordentliche Möglichkeit, aktiv an dem Leben einer zunächst unbekannten Gastfamilie und Schule teilzuhaben. Dadurch lernt man die Kultur und Lebensweise eines fremden Landes auf eine derart intensive und einmalige Weise kennen, wie es durch Urlaubs-, Sprach- und Studienreisen nicht annähernd möglich ist. Selbst lange Weltreisen oder Studienaufenthalte im Ausland erlauben keinen vergleichbaren Einblick in das Alltagsleben eines anderen Kulturkreises, da man mangels Familienanschlusses in der Regel nur die Rolle des außenstehenden Beobachters einnehmen kann. Bei einem Schüleraustausch ist man hingegen ein Teil des Ganzen, mit allen Rechten und Pflichten. Das versetzt die Austauschschüler in die außergewöhnliche Lage, sich ein Urteil über das Leben der sie umgebenden Menschen des Gastlandes zu bilden. Gleichzeitig fördert die räumliche und emotionale Distanz zur Heimat die Fähigkeit, eigene Normen, Werte und Verhaltensweisen kritisch zu überprüfen. Der spielerische Erwerb einer Fremdsprache und der Auslandsbonus im späteren Berufsleben sind weitere positive Begleiterscheinungen des Schüleraustausches, wenn auch nicht die wichtigsten. Neben dem unbestreitbaren Beitrag zur Völkerverständigung sehe ich den alles überragenden Vorzug des Schüleraustausches im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Durch die ständige Konfrontation mit ungewohnten Situationen wird man permanent dazu gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Man lernt, auch in schwierigen Situationen nicht den Kopf in den Sand zu stecken und andere Standpunkte zu akzeptieren. Von der Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizonts zehrt man sein ganzes Leben, und die Erkenntnis, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist, ermöglicht das Denken in größeren Dimensionen. Ich kann nur jedem empfehlen, der Lust hat, sich auf etwas Neues einzulassen und hart an sich zu arbeiten, die einmalige Chance „Schüleraustausch“ wahrzunehmen. Sie kommt nie wieder!

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