Freitag, 26. Mai 2017
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Spanien: Sprachschule - Spanisch lernen - Unterricht

 

Text von Angela Deppe, erschienen in:

(Nix für) Stubenhocker. Die Zeitung für Auslandsaufenthalte, Nr. 5 / 2015, S. 37-39

 

Zweites Zuhause in Cartagena

Spanisch lernen, Spanisch leben

 

Cartagena – den Ort kannte ich noch nicht. Ich wusste wohl von einem Cartagena in Kolumbien und von der gleichnamigen Stadt im Süden Spaniens in der Region Murcia hatte ich auch schon gehört, mehr aber auch nicht. Und genau das machte für mich den Reiz dieses Reiseziels aus. Wenn ich anderen von Cartagena erzählte, mussten diese auch erst mal nachfragen, wo genau das denn läge. Auf diese Weise konnte ich ziemlich sicher sein, dass ich dort eher selten deutschsprachigen Urlaubern über den Weg laufen und der Versuchung erliegen würde, aus Bequemlichkeit doch auf meine Muttersprache zurückzugreifen statt mein Spanisch zu trainieren. Außerdem würde mir wohl nicht das Gleiche wie auf Mallorca passieren, dass die Einheimischen alle Deutsch sprachen. Auf der Suche nach einer qualitativ guten, vom Instituto Cervantes anerkannten Sprachschule war ich auf Cartagena aufmerksam geworden. Aufgrund meiner Arbeit als Lehrerin hatte ich immer nur einige Wochen am Stück Zeit, um ab und zu in das spanische Leben hineinzuschnuppern und die wunderschöne Sprache zu festigen. Daher war es für mich am wichtigsten, möglichst schnell in den spanischen Alltag einzutauchen. Auf diese Weise hatte ich schon etliche Orte in ganz Spanien kennengelernt und war immer wieder neugierig auf das nächste Ziel. Bis dahin stand für mich fest, dass ich jedes Mal einen neuen Ort besuchen würde, um möglichst viel von Land und Leuten mitzubekommen – bis ich nach Cartagena kam. Seit meinem ersten Aufenthalt kehrte ich bereits zwei Mal dorthin zurück, und es fühlte sich immer ein bisschen so an, wie nach Hause zu kommen.

 

"Es war wirklich toll zu beobachten, wie sich die Schule um ihre Schüler kümmerte."

 

Abgesehen von Barcelona kannte ich noch nichts von der Ostküste Spaniens, daher war es toll, mit dem öffentlichen Bus vom Flughafen in Alicante an der Küste entlang bis nach Cartagena zu fahren. Es ging zwar nicht gerade mit Schallgeschwindigkeit voran, aber auf diese Weise konnte ich schon ganz gut erkennen, wohin es mich verschlagen hatte. Die dortige Sprachschule gefiel mir sehr gut. Ich wurde vom Busbahnhof abgeholt und zu meiner Wohnung gebracht, mir wurde alles Wichtige erklärt und gezeigt. Kaum war ich angekommen, fand ich mich auch schon am Ufer des Hafens mit meinem Lieblingserfrischungsgetränk, einem "Granizado de Limón" wieder, der in den nächsten Wochen quasi zu meinem Hauptnahrungsmittel wurde. Es war wirklich toll zu beobachten, wie sich die Schule um ihre Schüler kümmerte. Das fing mit dem Abholen vom Busbahnhof oder sogar vom Flughafen an, und hörte längst nicht mit den Einführungserklärungen und organisierten Ausflügen auf. Egal, welche Frage uns Sprachschülern einfiel, sämtliche Mitarbeiter der Schule standen uns mit Rat und Tat zur Seite und waren darum bemüht, ihren Schülern einen wunderschönen Aufenthalt in Cartagena zu ermöglichen. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass es ihnen viel wurde, auch wenn das Team nicht selten seine ganze Freizeit mit den Sprachschülern verbrachte. Das konnte auch daran liegen, dass immer unterschiedliche Freizeitaktivitäten geplant wurden, die einfach allen Spaß machten. Dazu zählten Besuche anderer Städte, Wanderungen, Schnorchel- oder Kanutouren, Besichtigungen, Tapas-Touren, sogenannte "Rutas de Tapas" und noch vieles mehr. Natürlich war mir von anderen Sprachschulen bekannt, dass sie Ausflüge mit ihren Schülern unternahmen, um ihnen die Gegend und Kultur näherzubringen. Hier ging es aber viel familiärer zu.

 

Sprachschule Spanien Unterricht Spanisch

 

Das Unterrichtsangebot der Schule empfand ich als ebenso abwechslungsreich. Von Einzel- oder Gruppenunterricht über Spanisch für den Beruf oder individueller Kursgestaltung bis hin zur Vorbereitung auf die verschiedenen Prüfungen für ein DELE-Sprachzertifikat war dort alles möglich. Und dabei stand immer der Spaß an der Sprache im Vordergrund. Die Lehrerinnen holten jeden Schüler genau dort ab, wo er stand. Alle meine Mitschüler konnten schon nach kurzer Zeit ziemlich große Fortschritte bei sich entdecken. Einige, die zu Beginn ihres Aufenthaltes kaum den Mut fanden, etwas Spanisches zu sagen oder die zu dem Zeitpunkt noch gar kein Spanisch konnten, unterhielten sich bereits nach zwei Wochen in einfachen Sätzen mit den Einheimischen. Und für Leute wie mich, die auch nach der Rückkehr aus Cartagena noch immer nicht genug von der Sprache hatten oder für diejenigen, die den Sprachunterricht erst mal aus der sicheren Heimat testen wollten, gab es auch noch Kurse per Skype. Auf diese Weise kann ich mein Spanisch festigen, wann immer ich möchte, und habe dabei fast das Gefühl, in Cartagena zu sein und nicht an meinem Schreibtisch zu sitzen.

 

Cartagena ist eine Stadt mit einer Jahrtausende alten Geschichte, der man in der Altstadt auf Schritt und Tritt begegnet. Mitten im Zentrum tut sich ein sehr gut erhaltenes, römisches Amphitheater auf, genauso wie römische Paläste oder die Punische Mauer mit ihrem Informationszentrum. An vielen Stellen werden immer wieder neue geschichtliche Überreste freigelegt, man kann sogar manchmal dabei zusehen. Über dem Hafen mit seinen Bars und Restaurants, wo man unwillkürlich landet, wenn man die Altstadt hinter sich lässt, thront die Burg Castillo de la Concepción aus dem 11. Jahrhundert, von der man einen tollen Blick über die ganze Bucht hat. Aber auch ein ganz anderes Stück spanischer Geschichte wird den Besuchern in Cartagena nähergebracht – eingegraben in den Hügel Concepción an der Calle Gisbert befindet sich heute das Museum des Luftschutzbunkers aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Ein Besuch hier lohnt sich wirklich, und das sage ich als eigentlich bekennender Museumsmuffel.

 

Danach braucht man allerdings wieder ein bisschen Ablenkung, und die findet man ganz leicht in einer der vielen tollen Bars der Stadt. Und nach meinen drei Besuchen dort kann ich mit Freude behaupten, dass es jedes Mal mehr davon werden, es gibt Tapas, Eis und Cocktails ohne Ende. Was außerdem für mich nicht fehlen darf, wenn ich nach Spanien reise, ist das Meer. Cartagena selbst hat eine schöne, kleine Bucht, die man in wenigen Minuten mit dem Bus erreichen kann. Wenn man ein bisschen mehr Zeit mitbringt, fahren auch regelmäßig Busse an die unterschiedlichsten Strände, von einsamen Steinbuchten bis hin zu den schier endlosen Sandstränden von La Manga. Auf der mehr als 20km langen Landzunge, welche übersetzt "der Ärmel" heißt, verbringen viele Einwohner Cartagenas, aber auch Touristen aus dem In- und Ausland den Sommer in kleinen Ferienhäusern oder großen Hotels. Es gibt wunderschöne Strände mit weißem Sand und großen Wellen. La Manga hat außerdem von ruhigen Strandbars und -restaurants bis hin zu Diskotheken einiges an Abendbeschäftigung zu bieten.

 

"Ich kann jedem empfehlen, eine solche Reise allein anzutreten."

 

Doch all diese tollen Erlebnisse sind nicht der einzige Grund dafür, dass ich schon zwei Mal dorthin zurückgekehrt bin. Das wichtigste, was Cartagena für mich so besonders macht, sind die Menschen, die dort leben. Auch auf meinen vorangegangenen Reisen habe ich viele interessante Leute kennengelernt, von denen die meisten jedoch wie ich auf Reisen waren. In Cartagena habe ich sowohl Menschen kennengelernt, die die Stadt so wie ich als Sprachschüler oder als Erasmus-Studenten für sich entdeckt haben, als auch Einheimische, die mir den Start in der fremden Stadt sehr erleichtert haben. Daher kann ich nur jedem empfehlen, eine solche Reise allein anzutreten. Dennoch ist es für mich immer wieder eine kleine Überwindung, meine sichere Umgebung mit Familie und Freunden für kurze Zeit hinter mir zu lassen und mich allein ins Flugzeug zu setzen. Man weiß eben nie genau, wo man landen wird, und was für Menschen man begegnen wird. Aber genau das macht natürlich erst den Reiz einer solchen Reise aus, man lernt jedes Mal ine Menge über sich selbst und ist viel offener für neue Eindrücke, als wenn man die einfachere Variante wählt und gemeinsam mit einer Freundin oder einem Freund losfliegt. Auch das habe ich ausprobiert, und es hat ebenfalls viel Spaß gemacht. Aber es ähnelt mehr einem klassischen Sommerurlaub mit ein paar Stunden Spanischunterricht am Vormittag, wenn man dann am Nachmittag doch wieder ins Deutsche verfällt. Und vom spanischen Leben bekommt man bei einem solchen Aufenthalt eigentlich gar nichts mit.

 

"Ich freue mich jetzt schon darauf, alle meine Freunde wiederzusehen."

 

Heute kann ich sagen, dass ich in Cartagena echte Freunde gefunden und das spanische Leben in vielen Facetten kennengelernt habe. Für mich steht Cartagena neben wirklich gutem Spanischunterricht für Sonnenbaden, stundenlanges Schnorcheln im Meer, die unglaublich leckere Fischpfanne "Caldero" und starken Asiatico-Kaffee zum Nachtisch, Grillfeste mit Freunden auf der Dachterrasse und Picknick am Strand. Ich habe sicherlich auch Glück mit meinen Kontakten gehabt, aber gerade weil Cartagena eine eher unbekannte Stadt ist, geht man hier nicht in der Anonymität einer Großstadt unter. Und auch in der Nacht habe ich mich nie unwohl oder unsicher gefühlt, allein durch die Straßen zu laufen. Es wird sicherlich nicht bei den drei Besuchen dort bleiben, ich freue mich jetzt schon darauf, alle meine Freunde wiederzusehen. Wann das sein wird, weiß ich noch nicht, aber ich möchte auf jeden Fall irgendwann das größte Fest der Stadt, das Fest der Karthager und Römer, "Las Fiestas de Cartagineses y Romanos", die Nachstellung des Kampfes der Römer gegen die Karthager, miterleben. Dann macht die gesamte Stadt für mehr als eine Woche eine Zeitreise. Alt und Jung werden zu Römern oder Karthagern, und in der gesamten Altstadt werden die historischen Kämpfe mit den Einwohnern nachgestellt. Das Ganze muss ein großes Spektakel sein, genauso wie die vielen verschiedenen Festivals, zum Beispiel das "Mar de Músicas" in Cartagena oder das alljährliche Flamenco-Festival von La Unión. Genau das liebe ich an Cartagena – es ist mir so vertraut, aber ich kenne längst noch nicht alles, sodass es sich jedes Mal wieder ein bisschen so anfühlt, als würde ich einen neuen Ort in Spanien entdecken.

 

Angela Deppe, 36, arbeitet als Grundschullehrerin und steckt ihre Schüler in der Spanisch-AG mit ihrer Begeisterung für die Sprache an. Außerdem übersetzt sie kulturelle oder literarische Texte vom Spanischen ins Deutsche.

 

 

 

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