Crashkurs Niederländisch

Der Sprache der Nachbarn auf der Spur

weltweiser · An der Gracht in Breda

Geschrieben von: Anne-Christine Hoegen

Land: Niederlande

Aufenthaltsdauer: 4 Wochen

Programm: Sprachreise

Erschienen in: (Nix für) Stubenhocker.

Die Zeitung für Auslandsaufenthalte,
Nr. 7 / 2017, S. 35-36

Nach meinem Studium der Geisteswissenschaften in Bonn stand für mich fest: Ich ziehe in die Niederlande. Die achtgrößte Stadt der Niederlande, Breda, sollte meine neue Heimat werden. Für wie lange? Auf unbestimmte Zeit. Und warum? Um Deutschlehrerin an einer weiterführenden Schule zu werden.

Das kann ja nicht so schwer sein, dachte ich. Immerhin war meine Mutter Lehrerin und Nachhilfe hatte ich auch schon oft gegeben. Und Deutsch ist meine Muttersprache. Die Europäische Plattform „EPnuffic“ bietet das sogenannte VADD-Programm an. In knapp zwei Jahren wird man „Van Assistent tot Docent Duits“, also von der Assistenzlehrerin zur Deutschlehrerin. Beworben hatte ich mich hauptsächlich, weil mein Freund Niederländer ist und ich nach meinem Erasmussemester in Spanien gerne noch mal im Ausland leben wollte. Die Idee, Lehrerin zu werden, spukte mir aber schon seit meinem Abitur im Kopf herum. Im ersten Jahr erhält man ein Stipendium und arbeitet an einer zugewiesenen Schule. Nebenbei studiert man an der Universität Leiden. Das allerdings nur dann, wenn man den Crashkurs Niederländisch der Uni Leiden besteht. Das Bestehen ist nämlich Voraussetzung, um sich überhaupt einschreiben zu können, da die Veranstaltungen überwiegend auf Niederländisch sind. Dieser Kurs war das erste Abenteuer im schönen Nachbarland.

An der Gracht in Breda
Kanufahren zwischen holländischen Windmühlen
Kanufahren zwischen holländischen Windmühlen

Unser Sprachkurs bestand aus fünf Frauen, allesamt Teilnehmerinnen am VADD-Programm, und wurde extra auf unsere Muttersprache ausgerichtet, sodass hauptsächlich auf die Unterschiede zwischen Deutsch und Niederländisch eingegangen wurde. Beide Sprachen ähneln sich nämlich doch sehr, haben aber auch viele, wichtige Unterschiede. Wir hatten einen ganzen Monat immer Montag bis Freitag für gute fünf Stunden pro Tag Unterricht in Leiden und durften von zwei verschiedenen Dozenten lernen. Beide waren, zum Glück, sehr geduldig und machten spannenden Unterricht. Innerhalb unserer Gruppe gab es verschiedene Niveaus von Vorwissen. Die eine lebte schon seit einem Jahr in Rotterdam, die andere hatte zwei Volkshochschulkurse besucht. Und dann waren da noch zwei andere und ich. Ich konnte zwar schon viel verstehen, denn die Familie meines Freundes versuchte sich von Anfang an auf Niederländisch mit mir zu unterhalten, allerdings wollte es mit dem Sprechen noch nicht so funktionieren. Die Fragen im Bewerbungsgespräch für das VADD-Programm wurden mir auch auf Niederländisch gestellt. Geantwortet habe ich aber auf Deutsch, sonst hätte ich die Stelle sicher nicht bekommen.

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Zunächst lernten wir die Aussprache und scheiterten bereits daran kläglich. Unser Lehrer versuchte uns auf fragwürdige Weise aufzumuntern und erzählte uns, dass die Niederländer im zweiten Weltkrieg durch einen einfachen Trick herausgefunden haben, ob jemand Deutscher ist. Sie ließen die Person einfach das Wort Scheveningen aussprechen und schon war alles klar. Schlechte Aussprache der niederländischen Wörter hat bei uns also anscheinend eine lange Tradition. Was für die Deutschen damals der schöne Strandstadtteil von Den Haag war, ist für mich eindeutig die Lautkombination „ui“. Diese findet ihren Höhepunkt darin, dass das niederländische Wort „ui“ auf Deutsch Zwiebel heißt und ich Zwiebeln ohnehin schon furchtbar finde. Dass ich sie auf Niederländisch kaum richtig aussprechen kann, bestärkt meine Meinung über das Gemüse nur noch. Durch den intensiven Unterricht und das teilweise recht hohe Tempo lernten wir schnell. Dass wir nur fünf Personen waren, fand ich am Anfang etwas unangenehm. Man kann sich eben nicht verstecken. Im Nachhinein war das aber genau richtig, denn so konnten die Dozenten auf all unsere Fragen und Bedürfnisse eingehen. Da wir alle vor Ort lebten und schnell viel lernen wollten, aber auch mussten – immerhin standen wir bald schon selbstständig vor unseren eigenen Klassen und da konnte es sicher nicht schaden, zumindest die wichtigsten Dinge auf Niederländisch sagen zu können, und im Oktober stand auch noch der Abschlusstest an –, begannen wir so langsam einfache Gespräche im Supermarkt oder auf der Straße zu führen.

„Es ist eine seltsame Situation, wenn man trotzdem auf Niederländisch weiterspricht, denn nur durch Üben wird man ja besser“

Nun muss man aber wissen, dass die Niederländer im Allgemeinen sehr höflich und vor allem hilfsbereit sind. Zumindest ist das mein Eindruck. Die meisten sprechen zudem sehr gut Englisch und Deutsch. So geschah es also zum Beispiel, dass ich mit meiner besten Freundin in Roermond verabredet war und ihr stolz in einem Schnellimbiss zeigen wollte, was ich schon alles auf Niederländisch sagen kann. Schade nur, dass die Verkäuferin natürlich direkt gemerkt hat, dass ich keine Niederländerin bin, und munter auf Englisch geantwortet hat. Um mir zu helfen. Um die Schlange hinter uns nicht noch länger werden zu lassen. Vielleicht auch nur, um zu verstehen, was wir überhaupt wollten. Es ist eine seltsame Situation, wenn man trotzdem auf Niederländisch weiterspricht, denn nur durch Üben wird man ja besser. Umso stolzer war ich aber, als die Niederländer nach einigen Wochen aufhörten, auf Englisch oder Deutsch zu antworten, und einfach fröhlich und schnell auf Niederländisch mit mir sprachen. Man hört immer noch, auch mehr als zwei Jahre nach meinem Umzug, dass ich Deutsche bin, und viele finden es wichtig, mir dies regelmäßig zu sagen, aber ich kann richtige Gespräche führen und nicht nur fragen, wo der Bahnhof ist und wie teuer die Äpfel sind.

„Wir haben Musik gehört, Spiele gespielt, Cartoons bearbeitet, Werbung geschaut und Texte gelesen“

Einer unserer beiden Dozenten hörte in jeder Stunde mindestens ein niederländisches Lied mit uns. Ich fand das besonders toll, denn durch Musik lerne ich Sprachen recht gut und ich hatte im Vorfeld schon meine WG in Bonn mit den eingängigen Liedern von Nick und Simon beschallt. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt verstehe, was sie singen. Außerdem finde ich es immer wichtig, auch viel über die Kultur des Landes zu lernen, und Musik macht einen großen Teil davon aus. Allgemein war der Sprachkurs sehr abwechslungsreich. Wir haben Musik gehört, Spiele gespielt, Cartoons bearbeitet, Werbung geschaut und literarische Texte gelesen. So sprachen wir zum Beispiel anhand eines Sylvia-Witteman-Textes über falsche Freunde, also Wörter oder Ausdrücke, die es in beiden Sprachen gibt, die jedoch etwas ganz anderes bedeuten. So lernten wir, dass das deutsche Wort „seltsam“ auf Niederländisch „raar“ bedeutet und das Niederländische „zeldzaam“ auf Deutsch „rar“ bedeutet. Wer soll da noch durchblicken? Falsche Freunde sorgten aber nicht nur innerhalb des Sprachkurses für lustige Situationen. Im Sprachkurs lernten wir sehr schnell, dass wir gerade unsere Schüler niemals fragen sollten, ob sie „klar kommen“. Klaarkomen bedeutet im Niederländischen nämlich etwas ganz, ganz anderes.

„Man wird gefordert, man kann aber auch fordern“

Durch den abwechslungsreichen, lustigen Unterricht gingen die vier Wochen sehr schnell vorbei und wir hatten teilweise das Gefühl, die Klausur im Oktober sicher nicht bestehen zu können. Die Universität Leiden und unser Lehrer Hans waren aber so toll und haben unseren Sprachkurs verlängert. Wir durften noch ein paar Zusatzstunden nehmen und konnten am Ende tatsächlich auch über Themen wie Klimawandel und Schönheitsoperationen auf Niederländisch diskutieren. Kurz danach stand dann auch schon die Abschlussklausur an. Wir wurden in allen Fertigkeiten, also Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen, beurteilt und eine Woche nach der Klausur haben wir alle die erlösende Nachricht erhalten, dass wir bestanden haben und das Studium an der Uni anfangen konnten. Ich kann jedem, der Niederländisch lernen möchte, so einen Intensivkurs nur empfehlen. Die Gruppengröße war sehr förderlich und trug dazu bei, dass wirklich jede von uns schnell und viel gelernt hat. Man kann sich nicht verstecken. Man wird gefordert, man kann aber auch fordern. Ich war und bin noch immer sehr dankbar, dass wir zwei Lehrer hatten, die nicht nur flexibel, sondern auch offen für unsere Wünsche waren. Gerade als angehende Sprachlehrerin fand ich es sehr hilfreich, gute Sprachlehrer als Dozenten zu haben, und konnte viele Ideen für den eigenen Unterricht mitnehmen. Aus meiner Karriere als Deutschlehrerin ist am Ende doch nichts geworden, da ich schnell festgestellt habe, dass mir die Arbeit als Lehrerin an einer weiterführenden Schule nicht gefällt. Ich mache nun etwas ganz anderes, wohne im schönen Den Haag und lerne jeden Tag neues dazu. Nicht nur, was die niederländische Sprache angeht, sondern auch über die Eigenarten der Niederländer. Aber darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

Anne-Christine Hoegen, 31, lebt und arbeitet derzeit in Den Haag und reist nach wie vor leidenschaftlich gerne. Mit ihrer besten Freundin bereist sie nach und nach alle Länder Europas, steuert aber auch außereuropäische Ziele an, um ihr Fernweh zu stillen.

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