Intensivkurs in Salamanca

Spanisch lernen in der „Ciudad del Espanol“

weltweiser · Sprachreise · Spanien · Intensivkurs

Geschrieben von: Marcus Grobe

Land: Spanien

Aufenthaltsdauer: 2 Wochen

Programm: Sprachreise

Erschienen in: (Nix für) Stubenhocker.

Die Zeitung für Auslandsaufenthalte,
Nr. 8 / 2018, S. 31-32

Als ich mich im zweiten Semester an der Uni von einem Freund überreden ließ, mit ihm zusammen zum Spanisch-Einstufungstest zu gehen, konnte ich mir nicht vorstellen, diese Sprache jemals fließend zu beherrschen.

Drei Jahre Spanisch in der Schule blieben mir aufgrund meiner Mitschüler zwar in guter Erinnerung, sprachlich blieb allerdings nicht so viel hängen. Ich konnte gerade so meinen Namen sagen und dass ich meine Hausaufgaben nicht habe. So fiel der Einstufungstest an der Uni entsprechend ernüchternd aus und ich fing mit einem A2-Kurs an, also fast bei null. Es vergingen drei weitere Semester und ich entschied mich, am Erasmus+-Programm teilzunehmen. Wohin sollte es gehen? Natürlich nach Spanien. Englisch konnte ich schon einigermaßen, also wollte ich noch eine andere Fremdsprache lernen. Da lag Spanisch natürlich auf der Hand, hatte ich ja in der Schule bereits damit angefangen. Noch in Deutschland machte ich im Sprachkurs Fortschritte und konnte das für die Erasmus-Bewerbung erforderliche B2-Niveau nachweisen. Ich informierte mich anhand von Erfahrungsberichten anderer Studenten über unsere Partnerunis in Spanien. Zur Auswahl standen Bilbao, Barcelona und Salamanca. Letztendlich wurde es Salamanca, weil dort das reinste Spanisch gesprochen wird und kein Dialekt oder sogar eine andere Sprache wie in Barcelona, wo man Katalanisch spricht. Zum Erlernen der Sprache sollte Salamanca also perfekt geeignet sein und auch darüber hinaus schwärmten die anderen in ihren Erfahrungsberichten nur so von dieser wunderschönen und lebendigen Stadt, deren Namen ich vorher nicht einmal kannte. Auch die Idee, zur Vorbereitung auf die Unikurse, die alle auf Spanisch unterrichtet wurden, einen Intensivkurs in Salamanca zu machen, entsprang den Erfahrungsberichten. Dort war von mehreren Sprachschulen die Rede, auf deren Internetseiten ich mich dann über die Kosten und das Kursangebot erkundigte.

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Zwischen Abgabe meiner letzten Hausarbeit in Deutschland und dem Semesterbeginn in Spanien hatte ich noch zwei Wochen Zeit für den Sprachkurs. Ich buchte also für zwei Wochen die Option „Intensivkurs + Konversation“ mit einem Wochenumfang von 25 Stunden. Das bedeutete jeden Tag erst eine Stunde Konversation in einer kleinen Gruppe, in der probiert wurde, sich viel zu unterhalten, und in der Grammatik kaum Thema war. Im Anschluss gab es dann vier Stunden Unterricht mit Lehrbuch und Grammatik, aber natürlich auch genügend Konversation. Wenn man sich nicht selbst um eine Unterkunft kümmern wollte, hatte man über die Sprachschule die Möglichkeit, in einer Gastfamilie oder in einer WG mit anderen Sprachschülern untergebracht zu werden. Weil es erstens teurer gewesen wäre und ich mir aber auch, nachdem ich selbst nicht mehr zu Hause wohnte, nicht vorstellen konnte, wieder in einer Familie zu leben, wo mir jemand sagt, wann es Essen gibt oder wann ich zu Hause sein soll, entschied ich mich für die Unterbringung in einer WG. Der Sprachkurs und die Unterbringung waren vergleichsweise günstig, was daran liegen mag, dass es in Salamanca viele Sprachschulen gibt und es auch insgesamt eine sehr günstige Stadt ist. Man hätte auch den Flug oder eine Abholung vom Flughafen mit buchen können, aber das organisierte ich alles lieber selbst.

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Nachdem ich meine Wohnung in Deutschland untervermietet und mich von allen verabschiedet hatte, machte ich mich also mit Sack und Pack auf den Weg zum Flughafen. Den Reiserucksack mit dem Gepäck für zwei Semester Erasmus bis zur Oberkante vollgestopft und einem etwas kleineren Rucksack im Handgepäck dabei, stieg ich am Flughafen von Madrid in den Bus nach Salamanca. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt voller Vorfreude erreichten wir langsam die 145.000-Einwohner-Stadt, deren beeindruckende Kathedrale man schon von Weitem erblicken kann. Bevor ich am nächsten Morgen mein WG-Zimmer beziehen konnte, verbrachte ich noch eine Nacht im Hostel. Die Wegbeschreibung dorthin hatte ich mir ausgedruckt und so suchte ich an einem heißen Abend im August mein Hostel. Ich musste mich überwinden und ein paar Salmantinos nach dem Weg fragen. Die meisten zeigten glücklicherweise in die Laufrichtung, sodass es kein Problem war, wenn ich nur die Hälfte verstand. So schlug ich mich schwitzend mit dem schweren Gepäck durch die volle und laute Stadt, spazierte durch die Altstadt und über den riesigen „Plaza Mayor“, den Hauptplatz, ins Zentrum zum Hostel. Die Dame an der Rezeption begrüßte mich auf Englisch und fragte mich, ob wir Spanisch reden wollen. Aus einem unerklärlichen Übermut antwortete ich „okay“. Zum Glück läuft das Einchecken ja immer gleich ab, man gibt seinen Ausweis und bekommt die Schlüssel, das würde ich bestimmt auch auf Chinesisch hinbekommen. Ich verstand sie aber einigermaßen, fragte noch ein paar Kleinigkeiten auf Englisch nach, sagte „gracias“ und brachte meine Sachen aufs Zimmer. Meinen ersten Abend verbrachte ich damit, die nicht allzu große Stadt fußläufig zu erkunden, und saugte das spanische Flair schon mal ein bisschen auf.

„In der Wohnung machte ein älteres Ehepaar gerade sauber und begrüßte mich herzlich“

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg zu meiner WG für die nächsten zwei Wochen. Als ich vor der Tür stand und nochmal nachschauen wollte, in welchem Stock ich klingeln musste – in Spanien stehen nämlich keine Namen, sondern nur der Stock und die Wohnungsnummer auf dem Klingelschild –, wurde mein Handy mit der abgespeicherten Notiz plötzlich schwarz und gab dann einfach mal den Geist auf. Gutes Timing. Ich klingelte also dort, wo ich meinte mich erinnern zu können, und hatte Glück. In der Wohnung machte ein älteres Ehepaar gerade sauber und begrüßte mich herzlich. Ich wusste überhaupt nicht, wer in der Wohnung sein würde und ob die beiden dort vielleicht selbst wohnen. Sie zeigten mir mein Zimmer, erklärten mir die Waschmaschine und wie man den Gasherd benutzt, vor dem ich irgendwie Respekt hatte. Beide redeten schnell und undeutlich Spanisch, ich antwortete ganz selbstbewusst „si, si“, legte mir meine Interpretation aber eher selbst zurecht, als dass ich wirklich verstanden hätte, was sie sagten. Als alles fertig war, gingen die beiden, wir wohnten also nicht zusammen, und ich blieb vorerst alleine in der 4-Zimmer-Wohnung. Mein erstes Abenteuer bestand dann zunächst darin, mir ein neues Handy zu besorgen, was auch besser funktionierte, als ich dachte. Später klingelte es dann an der Tür und ich lernte meinen ersten Mitbewohner kennen, der auch aus Deutschland kam und mit dem ich mich direkt super verstand. Die anderen zwei Mitbewohner waren Jesús und Lydia, zwei Spanier, die an unserer Sprachschule eine Lehrerfortbildung machten. Wir verstanden uns alle gut und unternahmen viel zusammen. Jesús hatte früher schon in Salamanca studiert, kannte die Stadt also wie seine Westentasche und konnte uns ein paar coole Orte zeigen.

„Alle Lehrerinnen haben stets eine lockere Atmosphäre vermittelt“

Montagmorgen um 8 Uhr startete dann der Sprachkurs. Wir gingen von der WG zusammen zur Sprachschule, die etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt war. Dort wurden wir begrüßt, bekamen ein kleines Willkommenspaket mit Lernutensilien und Stadtplan und wurden dann unseren Kursen zugeteilt. Man musste bei der Buchung schon angeben, welches Niveau man hat, im Zweifelsfall hätte man vor Ort aber noch wechseln können. In meinem B2-Kurs war ich der einzige Neuzugang an diesem Tag, die meisten waren schon ein paar Wochen oder Monate dabei. Vom Unterrichtsaufbau ist das aber kein Problem, da man jede Woche neu einsteigen kann. Es war eine angenehme Gruppengröße von etwa zehn Teilnehmern. Ein bunt gemischter Haufen mit Leuten aus Australien, Irland, England und einigen Leuten aus dem asiatischen und osteuropäischen Raum. Es gab auch einige Niederländer und Deutsche an der Schule, in meinem Kurs war ich aber der Einzige. Zusätzlich zu diesem „normalen Sprachunterricht“ hatte ich vorher, wie bereits erwähnt, immer noch eine Stunde Konversation. Das war eine kleinere Gruppe von ungefähr fünf Leuten, sodass der Fokus wirklich mehr auf dem Sprechen lag als auf dem Lesen von Texten oder Grammatikübungen. Danach begann der Sprachkurs, der von einer anderen Lehrerin geleitet wurde. Nach der Mittagspause übernahm dann noch eine dritte Lehrerin. Alle Lehrerinnen haben guten Unterricht gemacht und stets eine lockere Atmosphäre vermittelt. Die Mittagspause verbrachten wir oft vor der Kathedrale, die direkt vor der Tür war, und aßen Croissants oder Bocadillos. Dabei erprobten wir meistens unsere Spanischkenntnisse oder rutschten auch mal ins Englische ab.

„Die Lehrer und Mitarbeiter der Sprachschule waren alle mit Freude dabei“

Wie in einer richtigen Schule gab es auch hier Hausaufgaben, die natürlich auch gemacht wurden, schließlich hatte man ja für den Kurs bezahlt. Trotzdem gab es noch reichlich Freizeit, in der wir mit der WG und anderen Sprachschülern die vielen Terrassen und Bars der Stadt unsicher machten, zusammen kochten und auch feiern gingen. Anfang September fand das jährliche „Tapas-Festival“ in Salamanca statt, sodass hunderte Stände in der ganzen Stadt verteilt waren und man überall andere Tapas essen konnte. Die ganze Stadt war voller Leute und die Stimmung so, wie man es sich vorstellt: Es wurde laut geredet, gelacht, getanzt, getrunken und gegessen bis nach Mitternacht, auch unter der Woche. Zudem gab es von der Sprachschule einige nette Freizeitangebote: Kochkurse, eine Tapastour, eine Stadtrundführung, Tretbootfahren, Kinobesuche, Museumsbesuche und andere Ausflüge. Die Lehrer und Mitarbeiter der Sprachschule waren alle mit Freude dabei und alles war eher wie eine kleine Community als nur eine Schule. Die zwei Wochen vergingen wie im Flug und ich verbrachte sehr selten Zeit bei Whatsapp oder Skype. Dann war der Sprachkurs vorbei und ich bekam mein Zertifikat. Für mich war der Intensivkurs der perfekte Start und eine gute Vorbereitung auf das folgende Auslandsstudium. Auf diese Weise konnte ich die Stadt und vor allem die Sprache schon etwas besser kennenlernen und war auch vor Ort, um mir eine Wohnung für die Zeit nach dem Sprachkurs zu suchen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dass ich schon zwei Wochen vor Semesterstart angereist bin. Mein Umfeld war während des Sprachkurses sehr international, Kontakt zu Spaniern hatte ich jedoch, abgesehen von den zwei Mitbewohnern, nicht. Das sollte sich bei mir aber in der Zeit danach noch ändern, für die ich mir auch eine spanische WG gesucht hatte. Einige Leute aus der Sprachschule blieben noch ein paar Wochen und teilweise auch Monate, sodass wir immer wieder etwas zusammen unternehmen konnten.  

Marcus Grobe, 25, hat in Bremen sein Politikstudium beendet und ist nun Teil des weltweiser-Teams. Mit seinen neu gewonnenen Sprachkenntnissen möchte er in Zukunft auch Südamerika und andere Teile der Welt erkunden.

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