Mittwoch, 29. März 2017
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Costa Rica: Internationales Abitur - Schule

 

Text von Felix Kröner, erschienen in:

(Nix für) Stubenhocker. Die Zeitung für Auslandsaufenthalte, Nr. 6 / 2016, S. 25-26

 

Auf dem Weg zum IB

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr in Costa Rica

 

Ich sitze im Schatten einer Palme im College-Garten und denke darüber nach, wie eigentlich alles angefangen hat. Nach dem natürlich sehr aufregenden Auswahlprozess für die United World Colleges (UWC), der eine schriftliche Bewerbung und ein Auswahlwochenende mit Einzelinterviews und Gruppenaufgaben beinhaltete, kam dann endlich die Nachricht: zwei Jahre Costa Rica. Wahnsinn. Schon nach dem Auswahlwochenende hatte ich das Gefühl, endlich Gleichgesinnte gefunden zu haben, die so „tickten“ wie ich. Die UWCs sind ein Verbund von 15 Schulen weltweit, unter anderem in Costa Rica, Kanada, Italien, Norwegen, Wales, Indien, Singapur und Swasiland, auf denen Schüler aus über 70 Nationen zusammen leben und lernen. Für mich ging es dann nach allen Vorbereitungen, Visaangelegenheiten und Tagen voller Reisefieber endlich los. Einige Wochen vor meinem Abflug hatte ich mich schon viel mit Nirantar, meinem Klassenkameraden aus Nepal, ausgetauscht. Es stellte sich heraus, dass wir beide ab Frankfurt den gleichen Flug nach Costa Rica nehmen würden. Nach einem langen Abschied am Münchner Flughafen begann meine Reise. Ich verstand mich auf Anhieb sehr gut mit Nirantar, und so kam auch auf dem zwölfstündigen Flug keine Langeweile auf. Nur die Gedanken, die waren da: „Wie wird es wohl werden? Werde ich Freunde finden? Wird es wirklich so sein wie in den Blogs und Broschüren beschrieben?“

 

Internationales Abitur Costa Rica


Ja, das kann ich nach einem Jahr hier in Costa Rica ganz klar bestätigen. Aber der Reihe nach: Die Ankunft war intensiv, interessant, voller Emotionen und einem Gefühl von Zusammenhalt. Ich kam alleine dort an, als einer unter vielen. Natürlich war ich am Anfang manchmal eingeschüchtert, ratlos und wusste nicht, was ich tun sollte und wie mir geschah. Doch letztendlich ging es allen so. Nach einer Woche mit unzähligen Umarmungen und ebenso vielen neuen Namen – darunter Prachtstücke wie Lishu, Dewey, Wabei und Kgomotso – war jedoch niemand mehr allein. Obwohl die erste Woche mit Informationsveranstaltungen zur Schule, zum Zusammenleben in den Residenzen, zu den Regeln und außerschulischen Zusatzangeboten gefüllt war, blieb trotzdem noch Zeit, um einander kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. In der darauffolgenden Woche fuhren alle Schüler aus dem ersten und zweiten Jahrgang nach Roblealto in die Berge Costa Ricas, um einander noch besser kennenzulernen. Wir schliefen in kleinen Holzhütten, machten eine Wanderung, reflektierten unsere Aktivitäten, und abends gab es meistens eine Show. Beim „open mic“ beispielsweise konnte jeder, der Lust hatte, etwas vorführen wie Singen oder Tanzen. Es war wirklich beeindruckend, die Kulturunterschiede beim Tanz und Gesang mitzuerleben. Wieder zurück im College mussten wir dann unsere Fächer wählen und der „Ernst der Schule“ begann.


„Die Schule war ganz anders, als ich erwartet hatte.“


An allen UWCs wird das internationale Abitur, das International Baccalaureate (IB), angeboten. In der Regel wählt man sechs Fächer aus den Kategorien Muttersprache, Fremdsprachen,  Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Mathematik und Kunst. Die Schule war ganz anders, als ich erwartet hatte. Für mich fühlte es sich ein bisschen an wie ein Schnupperkurs an der Uni, und ich war einfach begeistert. Ich muss dazu sagen, dass ich schon immer gerne gelernt habe, aber die Möglichkeit, in so einem Umfeld und unter diesen Bedingungen zur Schule zu gehen, macht mich jeden Tag aufs Neue glücklich. Unser College, das mit Spanisch und Englisch das einzige zweisprachige UWC ist, bietet viele verschiedene Fächerkombinationen an. Es gibt bestimmte Regelungen und Vorgaben des IBs, die natürlich eingehalten werden müssen, aber davon abgesehen hat man alle Freiheiten, und ich bin mittlerweile sehr glücklich mit meinem Stundenplan. Meine Fächer sind Deutsche Literatur, Umweltsysteme und Gesellschaft und Mathematik, außerdem habe ich English Language and Literature, Geschichte und Soziale und Kulturelle Anthropologie belegt. Meine Liebe für Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Sprachen kann ich hier voll ausleben. Der Unterricht an sich ist zwar fordernd, aber auch sehr anregend und inspirierend.


Es wird sehr viel Wert auf selbstständiges Lernen und Gruppenarbeit gelegt, wobei wir jedoch von den Lehrern begleitet werden. Wir werden behandelt wie Erwachsene und sind für unsere Leistungen und unseren Erfolg selbst verantwortlich. Der Fokus in der Schule wird primär auf das persönliche Interesse und den interkulturellen Austausch gelegt, gleichzeitig geht es darum, voneinander zu lernen. Natürlich ist der akademische Erfolg ebenfalls von Bedeutung für uns, aber jeder kann seine Lernzeit selbst einteilen und Prioritäten setzen. Das IB-Programm besteht allerdings nicht nur aus den akademischen Fächern, sondern sieht dreimal die Woche für jeweils zwei Stunden Zusatzprogramme vor. In „Creativity, Activity, Service“ (CAS) betätigen sich die Schüler in sportlicher, kreativer oder sozialer Weise. Ich habe mich für Zumba, Philosophie und Models United Nations entschieden. Außerdem engagieren wir uns für La Carpio, das ist einer der größten Slums Zentralamerikas. Wir helfen dort den Kindern, Englisch zu lernen, und verbringen ein paar schöne Stunden mit ihnen. Es geht dabei neben der akademischen Bildung um die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Offenheit und soziale Verantwortung. Ich genieße die Vielfalt, die es mir möglich macht, mich in vielen Bereichen einzubringen und meine Vorlieben auszuleben. Es gibt eine Vielzahl an Projekten, darunter Mountainbiken, „Dog Foster Care“, „Clowning“, Zeichnen, Theater und „Story-Telling“. Man kann zweimal im Jahr die Projekte wechseln, so viele davon machen, wie man möchte, und auch eigene gründen.


„Ehe ich mich versah, fing all das an, selbstverständlich zu werden.“


Auf diese Weise kommt bei mir niemals Langeweile auf, im Gegenteil: Am liebsten würde ich bei noch viel mehr Projekten mithelfen. Bei uns an der Schule ist das hohe Maß an Basisdemokratie herausragend für mich. Es gibt ein „student council“, die Schülervertretung, ein Finanzkommitee und andere Institutionen, durch die den Schülern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Meinung zu äußern und aktiv die Schule mitzugestalten. Beispielsweise ging es neulich darum, eine Aufsicht einzustellen, die nachts im Notfall für uns da ist, wenn sonst niemand Bereitschaftsdienst hat. Dafür setzte sich die Vizerektorin mit allen Interessierten in einen Kreis auf den Boden der Bücherei, um dieses Thema zu besprechen und unsere Meinung einzuholen. Das Leben auf einem Campus ist natürlich ebenfalls sehr anders als alles, was ich zuvor kennengelernt habe. Die ersten Nächte mit zwei anderen Menschen im Zimmer, Guy aus Südafrika und Juan-Sebastian aus Kolumbien, fühlten sich erst einmal komisch an. Das gemeinsame Essen in der Cafeteria und das Zähneputzen zusammen mit anderen Schülern waren in der ersten Woche noch herausfordernd. Aber nach spätestens zwei Wochen wurde es normal, dass andere im Bademantel oder Pyjama zum Unterricht kamen. Ich gewöhnte mich daran, dass es dreimal in der Woche Reis mit Bohnen und Hühnchen gab. Es war keine Überraschung mehr, wenn die Toilette besetzt war und ich dreimal zurückkommen musste, bevor ich beschloss, einfach in eine andere Residenz zu gehen. Ebenso zum Alltag gehörte, dass im Nebenzimmer Bollywood-Musik gespielt wurde und ein Stockwerk tiefer afrikanische Voodoo-Tänze aufgeführt wurden. Ehe ich mich versah, fing all das an, selbstverständlich zu werden, und ich lernte es zu lieben.

 

Natürlich bin ich zwischendurch genervt und manchmal wird mir alles zu viel, aber während der vierwöchigen Ferien über Weihnachten in Deutschland ist mir klar gewor den, wie sehr ich diesen Ort und vor allem die Menschen dort vermisst habe. In den Ferien habe ich zwei meiner dänischen Freundinnen vom College in Kopenhagen besucht. Ich habe mit Lishu in China per Skype telefoniert und mit Rainier aus den USA gechattet. Für nichts in der Welt würde ich das eintauschen. All die Erfahrungen, die ich in diesem Jahr gesammelt habe, all die Freunde auf der ganzen Welt, die ich gefunden habe, alles, was ich hier gelernt habe, ist so unbezahlbar. Ich bin in Costa Rica wunderbar  aufgenommen worden und fühle mich integriert. Von Anfang an sind Freundschaften geschlossen worden, wir haben Wünsche, Erwartungen und Träume ausgetauscht und viel gelacht und uns umarmt. Ich fühle mich frisch und voller Energie und Vorfreude auf das, was noch kommen wird. In jedem Fall würde ich es jederzeit wieder tun und rate jedem, der die Chance hat, sich zu bewerben.  UWC ist intensiv, ergreifend, voller Gefühle, Erlebnisse, Diskussionen und noch so viel mehr. Heimweh habe ich nie als Problem erlebt. Natürlich gibt es Schüler am Campus, die ihr Zuhause sehr vermissen, doch alle finden Wege, um damit umzugehen. Hier sitze ich, im Schatten der brütenden Sonne Costa Ricas und denke an das zurück, was war, und an das, was kommen wird. Ich bin bereit.

 

Felix Kröner, 17, möchte nach seinem zweiten Jahr am UWC Internationales oder Europäisches Recht in Spanien studieren und danach für die EU, für den Europäischen Gerichtshof oder im diplomatischen Dienst arbeiten.

 

 

 

 

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